Eine Wassermelone, die sich als Thunfisch ausgibt? Diesen Bluff wollten wir auffliegen lassen! Stattdessen sitzen wir jetzt hier und löffeln kleinlaut eine vegane Poké Bowl, die uns eines Besseren belehrt hat.
DIREKT ZUM REZEPTWir und Foodtrends, das ist so eine Sache. Diesmal ging es allerdings weniger um unsere grundsätzliche Skepsis, sondern vielmehr um reine Physik. Wassermelone besteht praktisch nur aus Zucker und Wasser. 🍉 Wie um alles in der Welt sollte daraus bitte Thunfisch werden? 🐟
Nicht, dass wir uns falsch verstehen, wir mögen Wassermelone wirklich gern. 😋 An heissen Tagen ist ein kaltes Stück für uns die beste Erfrischung überhaupt. Auch in der Küche haben wir schon mit ihr gearbeitet. Unseren Wassermelonensalat mit veganem Feta lieben wir, herzhaft und frisch zugleich, und unsere Melonenpizza mit Beeren war optisch ein echter Hingucker, blieb geschmacklich aber klar im süssen Lager. 🫐 Die Frucht herzhaft einzusetzen, war für uns also nichts Neues. Aber Fisch? Das trauten wir der Melone beim besten Willen nicht zu.

Umgestimmt hat uns schliesslich ein Restaurantbesuch in Miami. Nach vielen Jahren haben wir wieder einmal eine Woche dort verbracht – zum ersten Mal, seit wir vegan leben. 🌱 Natürlich haben wir uns quer durch die vegane Gastroszene der Stadt geschlemmt. Dabei sind wir auch im Planta eingekehrt, ein Lokal, das wir schon aus New York kannten und das uns damals schon begeistert hatte. 😍
Ein Gericht auf der Karte sorgte erst für Skepsis, dann für Staunen und schliesslich für pure Begeisterung: der Wassermelonen-Thunfisch, angerichtet als Hommage an den Ahi Tuna, der in Miami auf gefühlt jeder zweiten Karte zu finden ist. 🇺🇸 Dass da eine Melone auf dem Teller lag, konnte man nicht mehr herausschmecken. Die Konsistenz erinnerte an Sashimi, der Geschmack an Sushi. 🍣 Wir sassen da und konnten es nicht glauben. Manchmal hat man einfach unrecht, und in diesem Fall waren wir richtig froh darüber.

Wie aus einer Frucht ein Fisch wird
Woher die Poké Bowl selbst stammt und wie aus dem hawaiianischen Fischer-Snack ein weltweiter Bowl-Trend wurde, haben wir schon bei unserer Poké Bowl mit Tofu erzählt. Hier soll es um den ungewöhnlicheren Teil gehen, um die Melone, die sich als Fisch verkleidet. 🐠
Wer den Wassermelonen-Thunfisch erfunden hat, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Idee tauchte um 2013 in ersten Foodblogs auf und wurde ab etwa 2019 über Social Media zum Selbstläufer. Zu dieser Zeit begannen unzählige Foodblogger und Hobbyköchinnen, online ihre eigene Version zu teilen. 👨🏻🍳
Das Prinzip dahinter ist einfach. Die Melone wird gebacken, wodurch sie den grössten Teil ihrer Flüssigkeit verliert und eine dichte, seidige Textur erhält, die der von rohem Fisch sehr ähnlich ist. Auf der englischsprachigen Wikipedia-Seite hat das «Watermelon Steak» sogar einen eigenen Eintrag. Ein Restaurantkritiker der Zeitung Boston Phoenix verglich die gegarte Melone darin mit angebratenem rohem Thunfisch.

Herzhafte Wassermelone ist keine neue Idee
Die Verwendung von Wassermelone für herzhafte Gerichte ist weniger abwegig, als man im ersten Moment denkt. So gibt es in der indischen Küche, genauer im Bundesstaat Rajasthan, ein traditionelles Wassermelonen-Curry, das die süsse Frucht gegen Chili, Kreuzkümmel und Kurkuma antreten lässt und dabei zu einer würzigen Sauce einkocht. 🇮🇳
Und eingelegte Wassermelonenschale, die «pickled watermelon rind», ist ein Klassiker der amerikanischen Südstaatenküche mit Wurzeln in der afroamerikanischen Kochtradition. Bereits 1881 wurde sie in einem der ersten von einer Afroamerikanerin verfassten Kochbücher dokumentiert. Die Idee, Wassermelone herzhaft zu verwenden, ist also alles andere als neu.

Veganer Thunfisch aus Wassermelone: so gelingt die Verwandlung
Entscheidend ist das Zusammenspiel von Hitze und Würze. Beim Backen gibt die Wassermelone fast ihr gesamtes Wasser ab, wird dichter und erhält eine leicht faserige, fast fleischige Struktur, die an Sashimi erinnert. Ohne diesen Schritt bliebe sie das, was sie im Sommer eben ist, nämlich knackig und süss.


Die Backzeit ist deshalb der entscheidende Punkt. Backt man zu kurz, bleiben die Würfel wässrig und süss. Backt man zu lange, verbrennen die Kanten. Perfekt sind sie, wenn sie spürbar geschrumpft und leicht faserig sind. Gegen Ende lohnt sich ein Blick in den Ofen, denn jeder Ofen backt anders, und der Grat zwischen perfekt faserig und angekokelt ist schmal. 🔥




Für den Fischgeschmack sind die Nori-Flocken verantwortlich, deren Meeresaroma die natürliche Süsse überlagert. 🌊 Sojasauce und Miso sorgen für Umami und herzhafte Würze. Reisessig und Limettensaft bringen Säure und Frische, und ein kleiner Löffel Ahornsirup rundet die Marinade ab, ohne sie süss zu machen.


Damit die Verwandlung gelingt, sind ein paar Dinge wichtig. Wer die Melone zu klein würfelt, hat nach dem Backen nur noch traurige Krümel in der Hand, denn sie schrumpft ordentlich. Ausserdem braucht die Marinade zwei Etappen. Im ersten Schritt nimmt die Melone die Aromen auf, die dann beim Backen einziehen. Weil die Hitze aber einen Teil der frischen Noten austreibt, gibt ihr der zweite Durchgang, wenn die Melone aus dem Ofen kommt, die Frische wieder zurück. Deshalb ist es wichtig, einen Teil der Marinade zurückzubehalten und nicht alles aufs Blech zu geben.
Und zu guter Letzt lebt eine Poké Bowl von ihrem kühlen, frischen Charakter. Wenn Reis oder Melone noch warm in die Schüssel kommen, geht genau diese Frische verloren. Deshalb sollte beides vor dem Anrichten vollständig ausgekühlt sein. 🍚
Was sonst noch in die Bowl kommt
Dazu kommt, was eine gute Bowl ausmacht. Der Sushi-Reis mit seiner feinen Essignote bildet die milde Basis. Avocado sorgt für Cremigkeit, Gurke und Karotte für Biss, ein paar Stücke Ananas für eine fruchtige Note und die Edamame steuern neben der Farbe eine Portion Protein bei. 💪🏼

Beim Topping liefern Frühlingszwiebeln und Koriander frische, würzige Akzente, während Ponzu und Sesamöl für eine salzig-nussige Tiefe sorgen. Ein wenig Sriracha bringt für Schärfeliebhaber eine zusätzliche, feurige Komponente ins Spiel. Der Sesam kommt zum Schluss dazu. Beim Sesamöl lohnt sich Zurückhaltung. Es sollte sehr sparsam dosiert werden, sonst wird es zu dominant.
Nicht nur für die Bowl: weitere Ideen mit Wassermelonen-Thunfisch
Der gebackene Wassermelonen-Thunfisch kann mehr, als in dieser Bowl zu landen. Auf einer Scheibe geröstetem Sauerteigbrot mit etwas Avocado wird er zum schnellen Snack oder leichten Abendessen. In Maki oder auf Nigiri ersetzt er den rohen Fisch im veganen Sushi. Klein gewürfelt macht er sich ausserdem gut in einem Sommersalat mit Gurke und Sesam. 🥗
Am besten bereitest du gleich etwas mehr zu. Luftdicht verschlossen hält er sich im Kühlschrank ein paar Tage und wird durch die Marinade von Tag zu Tag aromatischer.

Glaub uns kein Wort, glaub der Melone
Wir wissen, wie das klingt. Wir haben uns auch lange dagegen gesträubt. Deshalb erwarten wir gar nicht, dass du uns glaubst.
Back die Melone, probier sie und lass dich von einer Frucht eines Besseren belehren, so wie es uns in Miami ergangen ist. Das Schöne daran: Die Arbeit erledigt zum grössten Teil der Ofen, während du dich entspannt zurücklehnst und deine Skepsis pflegst.
Also, worauf wartest du? Die Melone macht sich nicht von allein zum Fisch. 😉

Das brauchts
Für den Wassermelonen-Thunfisch
- 500 g Wassermelone kernarm, geschält
- 1 TL Salz
- 3 EL Sojasauce*
- 2 EL Reisessig*
- 1 EL Limettensaft
- 1 TL Ahornsirup*
- 1 TL Misopaste*
- 2 EL Öl
- 1 EL Nori-Flocken
Für den Reis
- 250 g Sushi-Reis
- 220 ml Wasser
- 1 EL Reisessig*
- 1 TL Salz
Für die Bowl
- 1 Avocado
- 120 g Ananas frisch
- ½ Gurke
- 1 Karotte
- 200 g Edamame ohne Schote, gefroren
So wirds gemacht
Vorbereiten
- Sushi-Reis mit kaltem Wasser waschen, bis das Wasser klar ist
- Reis mit 220 ml Wasser, dem Reisessig und dem Salz bei mittlerer Hitze aufkochen, dann auf die kleinste Stufe zurückschalten und bei geschlossenem Deckel 12 Min ziehen lassen
- Reis vom Herd nehmen und auskühlen lassen
- Edamame 5 Min in siedendem Wasser kochen, gut abtropfen und komplett auskühlen lassen
Wassermelonen-Thunfisch
- Wassermelone in ca. 3 cm grosse Würfel schneiden, dabei sichtbare Kerne entfernen
- Melonenwürfel mit Salz bestreuen, damit sie Wasser ziehen, auf ein Küchentuch legen, 5 Min ziehen lassen und dann trocken tupfen
- Nori-Flocken, Miso, Sojasauce, Reisessig, Limettensaft, Ahornsirup und Öl in einer Schüssel zu einer Marinade verrühren
- Melonenwürfel in die Marinade geben, gut mischen und 15 Min ziehen lassen
- Melonenwürfel auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben, die übrige Marinade in der Schüssel auffangen und zurückbehalten
- Melonenwürfel bei 180 Grad Ober-/Unterhitze ca. 40–50 Min backen, bis sie spürbar geschrumpft und leicht faserig sind, nach der Hälfte der Backzeit wenden und gegen Ende im Auge behalten, damit die Kanten nicht verbrennen
- Melonenwürfel aus dem Ofen nehmen und vollständig abkühlen lassen
- Nochmals 1–2 EL der zurückbehaltenen Marinade darübergeben und kurz ziehen lassen
Bowl
- Inzwischen Karotte schälen und in Streifen schneiden, Gurke in Ringe schneiden, Ananas würfeln
- Avocado schälen, halbieren und in Streifen schneiden
- Reis in Schüsseln verteilen
- Gemüse, Ananas, Edamame und Avocado auf dem Reis anrichten und den Wassermelonen-Thunfisch daraufgeben
Topping
- Grün der Frühlingszwiebel in feine Streifen schneiden, Koriander grob hacken und beides über die Bowl streuen
- Mit Ponzu, Sesamöl und nach Wunsch mit Sriracha beträufeln und mit Sesam bestreuen
Tipp!
- Schneide die Würfel nicht zu klein, denn sie schrumpfen im Ofen ordentlich zusammen.
- Wenn du magst, lass die fertige Melone über Nacht im Kühlschrank durchziehen. Das gibt extra Poké-Feeling.
- Gib das Sesamöl erst ganz am Schluss dazu und dosiere es vorsichtig, sonst wird es schnell zu dominant.
- Wenn du keine Ponzu-Sauce hast, tut es auch Sojasauce mit einem Spritzer Limette.
- Stelle die übrig gebliebene Marinade unbedingt beiseite. Nach dem Backen gibt sie der Melone noch einmal richtig Geschmack.
- Plane für Reis und Melone genügend Zeit zum Auskühlen ein. Die Poké Bowl kommt kalt auf den Tisch.
