Diese «Gänsekeule» hat alles, was ein festliches Weihnachtsgericht braucht – nur eben ganz ohne Gans! Sie ist knusprig, duftet verführerisch und sorgt für die Art von Gesprächspause, in der alle kurz überlegen, wie pflanzliche Küche plötzlich so festlich sein kann. Das Herzstück dieses veganen Weihnachtsmenüs beeindruckt so sehr, dass man sich fragt, wie dieses Kunststück eigentlich möglich ist.
Direkt zum rezeptIn vielen Teilen Europas gilt die Weihnachtsgans 🪿 als Inbegriff eines festlichen Essens. Bei uns zu Hause? Nicht so sehr. Ich erinnere mich an genau ein einziges Weihnachten, an dem eine Gans auf dem Tisch stand. Ich war damals ein riesiger Fan von Nils Holgersson und fand es ehrlich gesagt ziemlich verstörend, einen Freund von Martin, der Gans 🪿, zu essen – oder im schlimmsten Fall sogar Martin selbst.

Abgesehen von dieser emotionalen Schieflage war die Gans gleichzeitig trocken und fettig – eine beeindruckende Fehlleistung – und geschmacklich so weit von festlich entfernt wie ein Adventskranz aus Plastikpalmen. 🌴 Wir haben nie wieder darüber gesprochen. Im Jahr darauf gab es wieder das bewährte Fondue Chinoise, und die Gans verschwand aus unserem Familiengedächtnis.
Doch wir fanden, dieses Kapitel verdiene eine Neuauflage. Und so bekommt die Gans, besser gesagt die vegane Gänsekeule, eine zweite Chance. Diesmal ganz ohne Federn, ohne Trauma und ohne Trockenheit. Für unser veganes Weihnachtsmenü haben wir eine Hauptspeise kreiert, die sogar Martin gefallen würde. Und sie ist richtig gut geworden! 🤩
Warum die Gans überhaupt ein Weihnachtsgericht wurde
Die Weihnachtsgans ist übrigens kein deutsches Phänomen, sondern gehört in ganz Europa zu den Festtraditionen. ✨ In Deutschland und Österreich war sie eng mit dem Martinstag verbunden. Zum Abschluss des bäuerlichen Jahres wurden Pachten und Abgaben beglichen, die häufig in Form einer Gans geleistet wurden. Viele Familien verwandelten diese «Abgabegans» am 11. November in ein gemeinsames Festessen, bevor die vorweihnachtliche Fastenzeit begann. Mit der Zeit wanderte der Braten immer häufiger vom Martinstag auf das Weihnachtsfest 🎄 und wurde zusammen mit Beilagen wie Rotkraut und Knödeln zu einem klassischen Festtagsgericht.

Auch auf der britischen 🇬🇧 Insel hatte die Gans lange ihren festen Platz auf der Festtagstafel. So soll Königin Elisabeth I. beispielsweise gerade Gans gegessen haben, als sie 1588 die Nachricht erhielt, dass die britische Flotte die spanische Armada besiegt hatte. Angeblich erklärte sie den Gänsebraten daraufhin zum Glücksgericht für besondere Festtage. Erst viel später verdrängte der Truthahn die Gans in vielen Haushalten.
Heute steht die Weihnachtsgans eher für Tradition und Nostalgie als für den Alltag. Unsere pflanzliche Alternative zur Gänsekeule knüpft genau dort an und holt den festlichen Charakter zurück auf den Teller – nur moderner, leichter und natürlich ohne Tier. 🌱
Die Idee hinter unserer veganen Gänsekeule
Unsere Interpretation setzt auf das Prinzip «Textur first». Die Struktur steht im Mittelpunkt und bildet die Grundlage für ein herzhaftes Aroma, viel Umami 🍄🟫 und genau den festlichen Genuss, den man von einer klassischen Festtagskeule erwartet. Nach der feinen veganen Morchel-Terrine als Vorspeise war für uns klar: Die Hauptspeise braucht denselben festlichen Charakter. 🌟



Die Textur als Schlüssel
Wir kombinieren Jackfruit und Kräuterseitlinge. Beide Zutaten bringen eine wunderbar faserige Struktur mit, die man sonst nur von lang geschmorten Gerichten kennt. Jackfruit liefert Volumen und die Kräuterseitlinge bringen Biss und Tiefe. Obwohl sie beeindruckend aussieht, ist die vegane Gänsekeule aus Jackfruit und Pilzen überraschend unkompliziert in der Zubereitung. 👩🏻🍳
Die knusprige Haut
Als knusprige «Haut» dient Reispapier, das man sonst für Summer Rolls verwendet. Unsere vegane Gänsekeule mit Reispapier-Haut verwandelt sich damit im Ofen in eine perfekte Mischung aus knusprig und zart und kommt so dem Original erstaunlich nah.





Der «Knochen» und die Präsentation
Als «Knochen» verwenden wir einfache Glacestäbchen aus Holz*. Alternativ funktionieren auch Einweg-Essstäbchen aus dem Asia Take Away, wenn man sie halbiert. Damit bleibt die Keule stabil, handlich und sieht richtig authentisch aus. Kurz haben wir sogar über Zimtstangen als «Knochen-Option» nachgedacht, wie sie auf manchen amerikanischen Foodblogs für vegane Drumsticks auftauchen. Allerdings passt Zimtgeschmack unserer Meinung nach überhaupt nicht zu einer Gänsekeule.



Die Rotweinsauce als festlicher Höhepunkt
Die selbst gemachte Rotweinsauce 🍷 ist wunderbar samtig und liefert eine geschmackliche Tiefe, die perfekt zu einem veganen Weihnachtsessen passt. Zusammen mit Kartoffelknödeln 🥔 und Rotkraut wird daraus ein veganer Festtagsbraten, der mühelos mit traditionellen Gerichten mithalten kann.

Wie anspruchsvoll ist die vegane Gänsekeule in der Praxis?
Dieses Gericht sieht nach viel Aufwand aus, ist in der Praxis aber viel unkomplizierter, als man denkt. Klar, es ist kein flottes Feierabendrezept, aber eben auch weit entfernt von Rezepten, die man dreimal lesen muss, bevor man sich traut, den Ofen einzuschalten. Die Jackfruit-Pilz-Mischung ist schnell vorbereitet, das Formen der Keulen macht überraschend Spass und sobald die Reispapier-Haut im Ofen zu knuspern beginnt, verbreitet sich ein Duft, der sofort Weihnachtsstimmung aufkommen lässt. 🎅🏼

Währenddessen köchelt die Rotweinsauce gemütlich vor sich hin und verleiht dem Gericht jenen warmen Sonntagsbraten-Moment, der für viele zum Weihnachtsgefühl dazugehört. Genau deshalb passt diese vegane Gänsekeule so gut auf die Festtagstafel. Sie sieht beeindruckend aus, schmeckt herzhaft und sorgt für einen kleinen Überraschungsmoment, wenn Gäste merken, dass hier keine echte Gans beteiligt war.
Wenn die vegane Gänsekeule alle Erwartungen übertrifft
Diese Keule hat das Zeug, an deinem Weihnachtstisch für diplomatische Entspannung zwischen allen Generationen zu sorgen. Sie schmeckt herzhaft wie eine klassische Festtagskeule, sieht verblüffend echt aus und sorgt für eine interessante Gesprächspause, in der alle kurz verarbeiten müssen, dass hier tatsächlich Jackfruit und Kräuterseitlinge im Rampenlicht stehen.
Serviere sie und geniesse den Moment, in dem jemand am Tisch leise flüstert: «Ähm… ist das… echt?» 🤭 Du kannst dann entspannt nicken, so tun, als hättest du gerade einen Michelin-Stern ⭐️ verdient, und später verraten, dass hier Pilze und Jackfruit im Spiel sind. Martin würde dazu einen kleinen Freudentanz aufführen und dir ein Daumenhoch geben, wenn er denn Daumen hätte.

Das brauchts
Für die veganen Gänsekeulen
- 200 g Jackfruit in Salzlake* 1 Dose, gut abgetropft
- 300 g Kräuterseitlinge
- 6 EL asiatische Pilz-Würzsauce* alternativ vegane Austernsauce
- ½ TL Kreuzkümmel gemahlen*
- 1 TL Paprikapulver geräuchert
- ½ TL Knoblauchpulver
- 1 TL Zwiebelpulver
- 1 EL Maisstärke
- 3 EL Olivenöl
- 8 Blätter Reispapier*
Für die Marinade
- 2 EL Öl
- ½ TL Salz
- ½ TL Pfeffer
- 1½ EL Tomatenpüree
- 1 EL Ahornsirup*
- ½ TL Paprika edelsüss
Für die Rotweinsauce
- 2 EL Olivenöl
- 2 Schalotten fein gehackt
- 1 Knoblauchzehe fein gehackt
- 200 ml Rotwein* kräftig
- 150 ml Portwein
- 150 ml Gemüsebouillon
- 1 Aceto Balsamico* klassisch, dunkel
- 40 g vegane Butter eiskalt, in Würfeln
- Salz und Pfeffer
So wirds gemacht
Rotweinsauce
- Olivenöl in einem Topf erhitzen und die Schalotten darin andünsten
- Knoblauch hinzufügen und kurz mitdünsten
- Rotwein und Portwein dazugiessen und auf die Hälfte reduzieren lassen
- Gemüsebouillon und Aceto Balsamico einrühren und weiterköcheln lassen, bis die Sauce sämig wird
- Sauce durch ein Sieb passieren, zurück in den Topf geben und vom Herd nehmen
- Kalte vegane Butterwürfel nach und nach einrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und beiseitestellen
Vegane Gänsekeulen
- Jackfruit und Kräuterseitlinge in feine Streifen schneiden und in eine grosse Schüssel geben
- Asiatische Pilz-Würzsauce, Kreuzkümmel, geräuchertes Paprikapulver, Knoblauchpulver, Zwiebelpulver, Speisestärke und Öl dazugeben und gut mischen
- Eine Pfanne erhitzen und die Mischung unter Rühren 8–10 Min anbraten, dann vom Herd nehmen, beiseitestellen und leicht abkühlen lassen
- Reispapier 5 Sek in heissem Wasser einweichen und auf die Arbeitsfläche legen
- Ein Viertel der Jackfruit-Pilz-Mischung in die Mitte geben
- Ein Holzstäbchen als «Knochen» in die Masse drücken
- Mischung zu einer Keule formen und fest mit dem Reispapier umwickeln
- Zweites Reispapier einweichen und die Keule erneut damit umwickeln
- Vorgang mit allen Portionen wiederholen
- Für die Marinade Öl, Salz, Pfeffer, Tomatenmark, Ahornsirup und Paprika mischen
- Ofen auf 190 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen
- Keulen auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und beidseitig mit der Marinade bestreichen
- Keulen 20–30 Min backen, bis sie knusprig sind
- Optional die Keulen mit etwas Öl bepinseln und 2–3 Min mit der Grillfunktion des Backofens grillieren
- Rotkraut und Kartoffelknödel nach Belieben zubereiten und zur veganen Gänsekeule servieren
Tipp!
- Wenn du die Reispapier-Haut besonders knusprig möchtest, bepinsle die Keulen kurz vor Schluss mit etwas Öl und gönne ihnen ein paar Minuten Grillfunktion.
- Leichtes Ausdrücken der Jackfruit sorgt dafür, dass sie die Gewürze besser aufnimmt und die Keule später aromatischer schmeckt.
- Forme die Keulen kompakt, damit das Reispapier beim Backen schön anliegt und die typische Keulenform entsteht.
- Achte darauf, die Rotweinsauce nicht mehr kochen zu lassen, sobald du die Butter eingerührt hast. Wenn du sie nur sanft erwärmst, bleibt sie schön glatt und samtig.
- Serviere die Gänsekeule unbedingt mit Rotkraut und Kartoffelknödeln. Wenn du das volle Festtagsgefühl möchtest, sind diese klassischen Beilagen fast Pflicht.

Ich habe eure veganen Gänsekeulen gestern gekocht. Test bestanden! Wow! Das wird unser Hauptgericht zu Weihnachten!
Die „Haut” ist so knusprig, echt und lecker, und die Rotweinsauce dazu ist einfach himmlisch. 😋
Ich habe mich durch eure Weihnachtsrezepte geklickt und konnte mich fast nicht entscheiden, da so viele gute Gerichte dabei sind.
Danke, dass ihr hier so viele leckere Gerichte kostenlos zur Verfügung stellt, um zu zeigen, wie lecker vegan sein kann! 😍
Hallo Tanja
Das klingt nach einem sehr erfolgreichen Testlauf 😋
Schön auch, dass du dich durch die Weihnachtsrezepte geklickt hast. Diese Entscheidungsprobleme kenne ich nur zu gut. Danke dir für die wertschätzenden Worte und fürs neugierige Kochen. Genau so zeigt man, dass vegane Küche richtig festlich und genussvoll sein kann.
Ich wünsche euch schon jetzt ein wunderbares Weihnachtsessen.
Beste Grüsse
Stefanie