Das Fruchtsalatcake versteckt eine ganze Dose Fruchtsalat im Teig und wird dafür meistens erst einmal schräg angeschaut. Das hält genau bis zum ersten Stück. Ein veganes Vanillecake ohne Ei, mit einem Kniff, den die Schweiz seit Jahrzehnten kennt und den der Rest des deutschen Sprachraums für einen Übersetzungsfehler hält.
DIREKT ZUM REZEPTEs gibt Dinge, die gehören zur Schweiz wie Fondue und Rösti, und das Cake ist eines davon. In jeder Küche steht irgendwo eine Kastenform, und jede Schweizerin und jeder Schweizer hat sein Lieblingscake. Offizielle Statistiken dazu gibt es zwar keine, aber ich würde behaupten, dass das Schoggicake ganz vorne liegt. 😋
Ich war schon immer ein bisschen anders. Wenn meine Schulfreunde einmal eine Limo bestellen durften, nahmen alle Cola. Ich nicht, ich bestellte immer ein Rivella (auch das ist typisch Schweiz). Da überrascht es auch nicht, dass mein Lieblingscake nicht, wie bei den anderen, das mit Schokolade, und auch nicht das Tirolercake oder der Marmorkuchen war. Nein, bei mir war es das Fruchtsalatcake.
Wer jetzt denkt, das sei irgendeine symbolische Wortkonstruktion, die sich die komischen Schweizer ausgedacht haben, um die deutschsprachigen Nachbarn zu verwirren, den kann ich beruhigen. Nein, es ist tatsächlich genau so, wie es heisst, da wird einfach Fruchtsalat in den Teig gekippt. Und ja, auch in Deutschland und Österreich wandern Dosen in den Rührteig, dort wird daraus allerdings ein Fruchtcocktail-Kuchen. Über den Inhalt sind wir uns also längst einig, gestritten wird nur über den Namen. 😉

Was im ersten Moment merkwürdig erscheinen mag, ist in Wirklichkeit einfach genial. Eigentlich haben wir hier ein simples Vanillecake, dem eine Dose Fruchtsalat beigegeben wird, und die hat eine fast wundersame Wirkung. Die Fruchtstücke sorgen für Biss und sind gleichzeitig so zart, dass sie sich perfekt ins «Gesamtkunstwerk» einfügen. Gleichzeitig machen sie das Cake schön saftig.
Von Napoleon in den Küchenschrank
Ohne die Konservendose gäbe es dieses Cake nicht, und die hat eine martialische Vorgeschichte. Das Verfahren wurde Anfang des 19. Jahrhunderts vom Franzosen Nicolas Appert entwickelt. Den Anstoss dazu gab Napoleon, der haltbare Verpflegung für seine Armee suchte und dafür ein Preisgeld aussetzte. Appert bekam es 1810 zugesprochen.
In der Schweiz liess die erste Konserve noch ein paar Jahrzehnte auf sich warten. 1886 gründeten zwei ehemalige Schulkameraden aus Hannover in Lenzburg eine Konservenfabrik, aus der später Hero wurde. Die ersten Dosen, die damals vom Band liefen, waren mit Erbsen gefüllt.

Die Büchse und das schlechte Gewissen
Zum Alltagsgegenstand wurde die Dose allerdings erst in den 1950er-Jahren, als der Wohlstand stieg. In der Nachkriegszeit konnte Hero den Umsatz beinahe verfünffachen. 💰
Erstaunlich ist, wie viel Überzeugungsarbeit dafür nötig war, denn selber Eingemachtes galt lange als das einzig Richtige. Die Werbung musste den Hausfrauen erst das schlechte Gewissen nehmen. In dieser Zeit setzte sich auch die Dosenananas durch, befeuert vom Toast Hawaii. 🍞🍍
Der Umweg über Kalifornien
Der Fruchtcocktail selbst stammt aus Kalifornien, wo er in den 1930er- und 1940er-Jahren entstand. 🇺🇸 Wer ihn erfunden hat, ist bis heute nicht restlos geklärt. In der Schweiz verhalf ihm Anfang der 1950er-Jahre die Erfindung des Riz Casimir zum Durchbruch. Das Gericht wurde so populär, dass Hero auf den Fruchtsalatkonserven den Hinweis anbringen liess, der Inhalt eigne sich bestens für Riz Casimir.
Das Fruchtsalatcake ist ein Kind dieser Jahre, in denen exotische Früchte plötzlich in jedem Küchenschrank standen und man ausprobierte, was sich damit alles anstellen liess.
Warum Fruchtsalat aus der Dose besser ist
Bei kaum einem anderen Gebäck ist Dosenobst so klar die richtige Wahl. Frische Ananas, Pfirsiche und Kirschen enthalten viel Wasser, das sich im Ofen kaum kontrollieren lässt, und je nach Reifegrad bleiben die Stücke entweder hart oder zerfallen komplett. Die Früchte aus der Dose sind dagegen bereits durchgezogen und gleichmässig weich. Sie behalten im Teig ihre Form, ohne sich als harte Brocken bemerkbar zu machen.

Welche Dose die richtige ist
Für eine Kastenform mit 25 Zentimetern Länge reicht eine kleine Dose mit einem Abtropfgewicht von rund 140 Gramm. Die grossen Konserven, wie sie in vielen Rezepten angegeben sind, wären hier zu viel des Guten und würden den Teig überladen. Eine solche kleine Dose hat man in der Regel ohnehin im Vorratsschrank und sie ist im Februar genauso gut wie im August. Das Fruchtsalatcake ist damit eines der wenigen Gebäcke, die man spontan backen kann, ohne vorher einkaufen zu müssen. 👩🏻🍳
Wie das Fruchtsalatcake saftig wird
Bei einem gerührten Teig kann man nicht viel falsch machen, ein paar Handgriffe sollten aber trotzdem sitzen. Konkret geht es um die Butter, ums Rühren und um die Früchte.
Weiche Butter, keine geschmolzene
Die vegane Butter soll weich genug sein, um sich cremig aufschlagen zu lassen. Sie darf aber keinesfalls warm oder gar geschmolzen sein, denn geschmolzene Butter kann keine Luft mehr aufnehmen. Genau diese Luft macht am Ende den Unterschied zwischen einem lockeren Cake und einem kompakten Riegel.


Zu langes Rühren rächt sich
Sobald Mehl und Flüssigkeit zusammenkommen, entsteht Gluten, und je länger gerührt wird, desto zäher wird die Krume. Kurz und beherzt ist hier also besser als gründlich.



Der Teig mag ausserdem keine Wartezeit, denn das Backpulver beginnt sofort zu arbeiten. Wenn die Form eine halbe Stunde auf der Arbeitsfläche steht, ist ein Teil des Triebs verpufft, bevor der Ofen ihn nutzen kann.
Wenn die Früchte zu Boden sinken
Der Saft aus der Dose hat im Teig nichts verloren, sonst wird die Krume schwer und feucht statt saftig. Die Früchte müssen ohnehin abgetropft werden, und die übrige Flüssigkeit passt besser in ein Glas als in die Form.



Die Fruchtstücke sind schwerer als der Teig und sinken beim Backen gerne nach unten, wo sie dann als kompakte Schicht am Boden liegen. Ein bisschen Mehl an den Früchten reicht, damit sie im Cake verteilt bleiben.


Ein Cake ohne Ei muss seine Bindung anderswoher holen. Diese Aufgabe übernimmt hier das Apfelmus. Als Ei-Ersatz hat es sich beim veganen Backen von Kuchen und Muffins besonders bewährt, weil es den Teig zusammenhält und gleichzeitig für Feuchtigkeit sorgt. Geschmacklich bleibt es dabei so zurückhaltend, dass man später keinen Apfel herausschmeckt.
Eine Stunde bis zum Seitenwechsel
Falls du bisher Team Schoggicake warst, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt für einen Seitenwechsel. Die Dose steht mit ziemlicher Sicherheit schon in deinem Vorratsschrank und in gut einer Stunde weisst du, ob du bekehrt bist. Angeblich ist das Fruchtsalatcake am nächsten Tag sogar noch saftiger, aber das konnte ich bisher nie überprüfen. 😇

Das brauchts
- 120 g vegane Butter weich
- 120 g Zucker
- ½ TL Vanillepulver*
- 4 EL Apfelmus
- 150 ml pflanzliche Milch
- 250 g Weissmehl
- 3 TL Weinstein-Backpulver*
- 2 Prisen Salz
- 1 Dose Fruchtsalat klein, Abtropfgewicht 140 g
Ausserdem
- etwas Mehl zum Wenden der Früchte
So wirds gemacht
- Kastenform fetten und bemehlen oder mit Backpapier auslegen, Ofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen
- Weiche Butter in einer Schüssel mit einem Handrührgerät oder der Küchenmaschine 2–3 Min aufschlagen, bis sie hell und cremig ist
- Zucker und Vanillepulver dazugeben und weiterrühren, bis eine luftige Masse entsteht
- Apfelmus und pflanzliche Milch unterrühren, bis alles gleichmässig verbunden ist
- Mehl in eine zweite Schüssel sieben, Backpulver und Salz dazumischen
- Fruchtsalat in einem Sieb abtropfen lassen, Früchte in etwas Mehl wenden, beiseite stellen
- Trockene Zutaten zur Buttermasse geben und nur so lange rühren, bis ein glatter Teig entsteht, der schwer reissend vom Löffel fällt, bei Bedarf etwas pflanzliche Milch dazugeben
- Bemehlte Früchte mit einer Gabel unter den Teig heben
- Teig in die vorbereitete Form füllen und ca. 50–60 Min backen, bis beim Stäbchentest kein Teig mehr haften bleibt
- Cake kurz in der Form abkühlen lassen, aus der Form lösen und auf einem Gitter vollständig auskühlen lassen
Tipp!
- Die vegane Butter sollte weich, aber nicht warm sein. Geschmolzene Butter nimmt beim Aufschlagen keine Luft mehr auf und das Cake wird zu fest.
- Wenn du kein Vanillepulver hast, funktioniert auch ein Päckchen Vanillezucker.
- Statt Weissmehl kannst du helles Dinkelmehl verwenden, das Verhältnis bleibt gleich.
- Der Teig sollte schwer reissend vom Löffel fallen. Das heisst, er gleitet also zäh herunter und fliesst nicht wie ein Guss vom Löffel.
- Wenn das Stäbchen feucht herauskommt, ohne dass Teig daran klebt, hast du ein Fruchtstück getroffen. Prüfe in diesem Fall an einer zweiten Stelle.
