Manche Früchte sind süss, andere säuerlich – die Aprikose kann beides. Genau das macht diese Wähe so gefährlich gut. Gebacken in einem zarten Kuchenteig mit einem veganen Wähenguss, der geschmeidiger ist als das Original mit Ei. Anschneiden auf eigene Gefahr!
DIREKT ZUM REZEPTWenn jemand meine Mama gefragt hat, welche Wähe sie am liebsten mag, war ihre Antwort immer klar: die Aprikosenwähe. 🍑 Es war also kein Zufall, dass es bei uns im Sommer regelmässig genau diese Wähe gab. Je nach Region sagt man auch Aprikosenkuchen dazu. Zum Beispiel im Wallis, wo auch die besten Früchte herkommen. Einer guten Wähe war ich noch nie abgeneigt und natürlich hat die Sache mit den Aprikosen mit der Zeit auch auf mich abgefärbt. 🧡

Das Schöne an der Aprikose ist, dass sie zwei Dinge gleichzeitig kann. Während ein Apfelkuchen oder eine Zwetschgenwähe vor allem die fruchtige Süsse in den Vordergrund rücken und eine Rhabarberwähe den Fans der guten Säure schmeichelt, verbindet die Aprikose beides. Im ersten Moment schmeckt man die saftige Süsse, die perfekt im Guss aufgeht, und dann kommt beim Abgang diese feine Säure. Ich klinge schon fast wie ein Weinsommelier. 🍷 Genau dieses Wechselspiel ist der Grund, warum der Aprikosenkuchen so beliebt ist.
Die Aprikose: eine Prinzessin aus dem Wallis
Wenn man in der Schweiz eine Region mit der Aprikose verbindet, dann ist das ganz klar das Wallis. Und das aus gutem Grund: Mehr als 90% der Schweizer Aprikosen kommen aus dem Wallis, wo der Aprikosenanbau rund ein Drittel des Fruchtsektors ausmacht. Das sonnige, trockene Rhonetal mit seinen warmen, durchlässigen Böden ist wie gemacht für die Frucht. ☀️

Angefangen hat alles mit einem Mann und einem Baum. 🧑🏼🌾🌳 Die ersten Aprikosenbäume pflanzte der Bauer Gabriel Luizet im Jahr 1838. Nach ihm wurde auch die bis heute beliebte Sorte «Luizet» benannt – jene Aprikose, aus der auch der berühmte Walliser Abricotine gebrannt wird. Jahrzehntelang betrachteten die Walliser Obstbauern nur diese Sorte als anbauwürdig. Erst Anfang der 1990er-Jahre begannen erste Versuche mit anderen Sorten, um die Vielfalt zu erweitern und die Qualität zu verbessern.

Das hat sich gelohnt, denn heute gibt es rund hundert verschiedene Aprikosensorten im Wallis. Dank dieser Vielfalt dauert die Saison von Juni bis September und nicht nur wenige Wochen. Früher hatte die Aprikose viele Namen: Baringeli, Äämbrich, Amerille, Marille, Barille oder Baringel – von Kanton zu Kanton hiess sie anders. Heute hat sich allerdings überall «Aprikose» durchgesetzt. Ob man das Blech Aprikosenwähe oder Aprikosenkuchen nennt, hängt bis heute davon ab, in welcher Region man aufgewachsen ist. Und noch eine Zahl, die zeigt, wie sehr die Schweiz diese Frucht ins Herz geschlossen hat: Rund 3.5 Kilo Aprikosen isst jede Person hierzulande pro Jahr. 😋
Wer im Hochsommer zu Walliser Aprikosen greift, hält also ein Stück Schweizer Obstgeschichte in der Hand – und die perfekte Grundlage für eine Wähe.

Was die vegane Aprikosenwähe ausmacht
Eine Wähe ist einfach, und das ist auch das Schöne an ihr. Trotzdem entscheiden ein paar Zutaten darüber, ob am Ende ein verführerisch fruchtiger Blechkuchen oder eine matschige Enttäuschung auf dem Tisch steht. 🙊
Knuspriger Kuchenteig – funktioniert auch fertig gekauft
Der Mürbeteig ist das Fundament und das soll auch unter saftigen Früchten und flüssigem Guss knusprig bleiben. Das gelingt mit kalter veganer Butter und etwas Zurückhaltung. Wer knetet, aktiviert das Gluten, und der Teig wird nicht mürbe sondern zäh. Alle Tipps und Tricks dazu haben wir in unserem ausführlichen Beitrag zum veganen Kuchenteig gesammelt.
Wenn es schnell gehen soll, tut es aber auch ein gekaufter Kuchenteig. Wähenteige aus dem Laden sind meisten sind vegan. So spart man sich Aufwand und Zeit. ⏰
Gemahlene Mandeln: knuspriger Boden und feines Aroma
Die gemahlenen Mandeln auf dem Boden sind nicht einfach nur Dekoration. Sie saugen den Fruchtsaft auf und verhindern so, dass der Teig durchweicht. Ausserdem passen sie aromatisch perfekt zur Aprikose. Der Kern im Aprikosenstein schmeckt nämlich mandelig-marzipanartig, weil er denselben Aromastoff trägt wie die Mandel. Sogar Amaretto wird teilweise aus Aprikosenkernen statt aus Mandeln gebrannt. Mit den Mandeln nehmen wir also ein Aroma auf, das ohnehin schon in der Frucht steckt, und unterstreichen es dezent.



Die Aprikosen sollen reif, aber nicht überreif sein. In die Wähe kommen sie mit der Schnittfläche nach oben, damit sie im Ofen leicht karamellisieren.

Das Herzstück: der Wähenguss ohne Ei
Der Guss ist bei jeder Wähe die Königsdisziplin und bei einer veganen erst recht. Klassisch bindet das Ei den Guss und macht ihn beim Backen fest und cremig. Bei uns übernehmen das Seidentofu und etwas Maisstärke. Während der Seidentofu für Cremigkeit sorgt, ist die Maisstärke für die Bindung zuständig. Das Ergebnis kann nicht nur mit dem Eierguss mithalten, sondern übertrifft ihn sogar. Unser veganer Wähenguss ist geschmeidiger und fast schon puddingartig. Jede Aprikosenhälfte liegt in ihrem eigenen kleinen Cremebett.


Zwei Dinge machen den Unterschied. Den Seidentofu solltet ihr wirklich glatt mixen, sonst bleiben kleine Flöckchen zurück. Und behaltet die Backzeit im Auge! Der Guss soll stocken und leicht golden werden. Ein leichtes Zittern in der Mitte, wenn das Blech aus dem Ofen kommt, ist kein Fehler, der Guss zieht beim Auskühlen nach.
Und jetzt bitte nicht warten, bis Mama ruft

Irgendwann duftet die ganze Wohnung nach Aprikose und erfahrungsgemäss klingelt spätestens dann jemand «rein zufällig» an der Tür. Hier müsst ihr eine Grundsatzentscheidung treffen: Teilen oder so tun, als wärt ihr nicht da. Wir urteilen nicht! Wir sagen nur: Wer die Tür aufmacht, sollte ein zweites Blech in der Hinterhand haben. 😉
Besorgt euch erst einmal reichlich Walliser Aprikosen, backt die Wähe und entscheidet dann in Ruhe, wie gastfreundlich ihr heute seid. 🤗

Das brauchts
Für den Teig
- 200 g Dinkelmehl
- 100 g vegane Butter kalt, direkt aus dem Kühlschrank
- 1 Prise Salz
- 1-2 EL Wasser kalt (bei Bedarf)
Für den Belag
- 600 g Aprikosen
- 5 EL gemahlene Mandeln
Für den Guss
- 250 g Seidentofu
- 150 ml Sojamilch
- 5 EL Zucker
- 1 EL Maisstärke
So wirds gemacht
Kuchenteig (bei gekauftem Teig überspringen)
- Mehl, Zucker und Salz in einer Schüssel mischen
- Kalte vegane Butter in Stücken dazugeben und mit den Fingern zu einer krümeligen Masse verreiben, rasch zu einem Teig zusammenfügen (nicht kneten!), wenn der Teig zu fest bröselt, 1-2 EL kaltes Wasser dazugeben
- Teig zu einer Kugel formen, in Frischhaltefolie wickeln und 30 Min im Kühlschrank ruhen lassen
Aprikosenwähe
- Backofen auf 220 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen
- Aprikosen waschen, der Länge nach halbieren und die Steine entfernen
- Kuchenteig 3 mm dick auswallen, in das Kuchenblech legen, den Rand 2-3 cm hochziehen und den Boden mit einer Gabel dicht einstechen
- Gemahlene Mandeln auf dem Teigboden verteilen
- Für den Guss Seidentofu, Sojamilch, Zucker und Maisstärke in einem hohen Gefäss glatt mixen
- Aprikosen mit der Schnittfläche nach oben auf dem Teigboden verteilen
- Guss langsam und gleichmässig über die Wähe giessen
- Wähe in der unteren Hälfte des Ofens 35-40 Min backen, bis der Guss leicht golden ist
- Backofen ausschalten und die Wähe noch 5 Min im Ofen lassen
- Aprikosenwähe aus dem Ofen nehmen und 10 bis 15 Min auskühlen lassen
Tipp!
- Der Guss braucht nach dem Backen noch etwas Zeit, um vollständig zu stocken. Lasst die Wähe deshalb 5 Minuten im ausgeschalteten Ofen stehen und danach 10-15 Minuten auskühlen. So wird sie schön schnittfest.
- Wenn ihr wenig Zeit habt, kauft einen fertigen Kuchenteig. Die meisten sind vegan, und ihr spart euch die Zubereitung des Teigs und Ruhezeit (rund 40 Minuten weniger Aufwand).
- Verwendet reife, aber nicht überreife Aprikosen. Sie bringen die schönste Süsse mit und behalten beim Backen ihre Form.
- Ausserhalb der Aprikosensaison funktioniert das Rezept auch mit tiefgekühlten Aprikosen. Ihr müsst sie vor dem Belegen nicht einmal auftauen.
- Vor dem Servieren könnt ihr die Wähe nach Belieben mit etwas Puderzucker bestreuen.
