Tofu aus dem Ofen mit Fenchel und Orangen

Gut zu wissen!
Couscous kam mit Korallenfischern aus Trapani nach Sizilien, die im 16. Jahrhundert vor der Küste Tunesiens arbeiteten.

Fenchel, Orangen und schwarze Oliven? In Sizilien ist das nichts Ungewöhnliches, dort steht diese Kombination seit Generationen im Spätherbst und Winter auf dem Tisch. Für unseren Tofu aus dem Ofen haben wir sie neu gedacht. Ob sie auch überzeugte Fenchel-Skeptiker umstimmt, findet ihr am besten selbst heraus.

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Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Über Gemüse erst recht. Bei Sam und mir geht es dabei immer wieder um das Thema Fenchel. Ernst wird es dabei selten, ausdiskutiert ist die Sache aber auch nie. Ich mag Fenchel, seit ich denken kann. Meine Mama hat ihn früher mit Käse überbacken, und so habe ich ihn als Kind geliebt. 😋

Auch Sam kennt diese Variante, verbindet sie allerdings mit ganz anderen Erinnerungen. Er musste den überbackenen Fenchel als Kind widerwillig runterwürgen. Heute isst er Fenchel höchstens roh. Roh heisst bei ihm wirklich roh, er beisst in die Knolle wie in einen Apfel. Selbst um einen Fenchelsalat macht er schon einen grossen Bogen. Von gekochtem oder gebackenem Fenchel wollen wir gar nicht erst reden. 🙈

Tofu aus dem Ofen mit gerösteten roten Zwiebeln und schwarzen Oliven auf lockerem Couscous

Neulich hatten wir wieder einmal so eine Fenchel-Diskussion. Sam hat seine Argumente vorgetragen, ich habe genickt und mir innerlich «Challenge accepted!» gesagt. Dem Bürschteli würde ich schon noch zeigen, dass Fenchel auch gekocht schmeckt. 😎

Mit (veganem) Käse überbacken fiel von vornherein weg. Zu viele schlechte Erinnerungen. Also habe ich mich an Kombinationen orientiert, die sich seit Generationen bewähren. So bin ich in Sizilien gelandet. Dort kommt Fenchel mit Orangen, roten Zwiebeln und schwarzen Oliven als Salat auf den Tisch. Für meinen Plan habe ich die Zutaten allerdings in den Ofen geschoben. Und wenn ich schon in Sizilien war, konnte ich auch gleich mit der Beilage punkten. Couscous ist dort keineswegs exotisch. Wenn es ein Gericht gibt, das Sam schon als Kind freiwillig gegessen hat, dann Couscous.

Wie die Orange nach Sizilien kam

Die ersten Orangen, die das Mittelmeer erreichten, waren bittere Pomeranzen. Muslimische Händler brachten sie im 10. Jahrhundert über Sizilien und die Iberische Halbinsel nach Europa. Von 831 bis 1091 war Sizilien ein arabisches Emirat. Die neuen Herrscher legten Bewässerungssysteme an und machten damit Orangenhaine auf der trockenen Insel überhaupt erst möglich. Das arabische Wort für die Bitterorange, «Nāranj», steckt bis heute in der «Arancia» und in den «Arancini». 🍊

Teller mit Tofu aus dem Ofen, Fenchel und Orangenscheiben, daneben Besteck und gelbe Serviette

Die süsse Orange kam erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ans Mittelmeer. Zuerst brachten genuesische Händler sie aus Asien, im 16. Jahrhundert folgten die Portugiesen. Im Sizilianischen hiess sie deshalb lange «Partuallu», nach Portugal. Der Fenchel-Orangen-Salat ist auf der Insel ein typisches Wintergericht. Er hat Saison, wenn die Orangen reif sind, und wird gern auch zum Weihnachtsessen serviert.

Couscous von den Korallenfischern

Beim Couscous wird Sizilien noch eine Spur nordafrikanischer. Rund um Trapani im Westen der Insel nimmt man Cùscusu bis heute sehr ernst. Seit 2025 trägt das Gericht sogar ein Gütesiegel der Stadt, das festlegt, wie ein echter Cùscusu Trapanese zubereitet wird. Seine Geschichte reicht bis ins frühe 16. Jahrhundert zurück. Die älteste bekannte Quelle stammt aus dem Jahr 1521. Damals fischten Trapaneser vor den Küsten Tunesiens und Algeriens nach Korallen und brachten das Couscous von dort mit. Das Dämpfen haben die Sizilianer aus dem Maghreb übernommen, das Gericht selbst aber nach eigenem Geschmack weiterentwickelt.

Sizilianisch inspiriertes Ofengericht mit mariniertem Tofu, Fenchel, roten Zwiebeln und Oliven auf Couscous

Wie aus einem Salat ein Ofengericht wird

Auf die Ofen-Idee brachte mich ein Rezept für Lachs und Zitrone. Mehr als diesen Anstoss habe ich davon aber nicht mitgenommen, denn ein Fischersatz sollte der Tofu auf keinen Fall werden. Seinen Charakter hat dieses vegane Ofengericht aus Sizilien.

Marinierter Tofu mit Rautenmuster

Tofu bringt von sich aus wenig Geschmack mit. Damit der Tofu aus dem Ofen nicht fad schmeckt, braucht er eine gute Marinade und etwas Zeit. Das Rautenmuster vergrössert die Oberfläche, sodass die Marinade tiefer in den Tofu gelangt und die Ränder der Schnitte Röstaromen bekommen. Nebenbei sieht der Tofu damit richtig gut aus.

In der Marinade steckt die ganze Orange. Der Saft bringt Süsse und Fruchtsäure, im Abrieb sitzen die ätherischen Öle mit dem intensivsten Aroma. Zerstossene Fenchelsamen verstärken die Anisnote der Knolle. Ahornsirup rundet die Säure ab und hilft beim Karamellisieren. Auf eine Panade habe ich bewusst verzichtet. Sie würde die Rauten verschliessen und die Sauce könnte nicht mehr in die Zwischenräume gelangen.

Warum Fenchel aus dem Ofen anders schmeckt

Ja, auch dieser Fenchel landet im Ofen. Diesmal allerdings ohne Käsedecke. Im Salat ist Fenchel knackig und frisch, im Ofen wird er weich und süsslich. Seine ätherische Note tritt dabei in den Hintergrund und an den Rändern karamellisiert der Zucker. In der Form gart der Fenchel zum Teil im eigenen Saft und wird dadurch zart. Oben, wo die Hitze direkt auf die Schnittflächen trifft, bräunt er und bekommt Röstaromen. Dafür braucht er vor allem Zeit.

Mit den roten Zwiebeln geschieht im Ofen dasselbe und sie verlieren dabei ihre Schärfe. Die Orangenscheiben garen mit der Schale, die dabei leicht karamellisiert und eine feine Bitterkeit erhält. Zusammen mit den Röstaromen gibt das dem Gericht etwas Wärmendes, das gut in den Herbst passt. 🍂🧡

Schwarze Oliven als Gegengewicht

Fenchel, Orange und Ahornsirup sind alle auf der süssen Seite. Ohne ein Gegengewicht würde das Gericht schnell eintönig. Deshalb gehören die schwarzen Oliven dazu. Ihr salziger, leicht bitterer Geschmack verhindert, dass die Süsse überhandnimmt. 🫒

Sizilianisch inspiriertes Ofengericht mit mariniertem Tofu, Fenchel, roten Zwiebeln und Oliven auf Couscous

Ehrlich gesagt war ich mir bei ihnen zuerst nicht sicher. Normalerweise mag ich grüne Oliven lieber. In Sizilien kommen aber traditionell schwarze in den Salat, und ich muss zugeben, dass sie mit ihrem milden, runden Geschmack hier besser passen als grüne mit ihrer herben, grasigen Note. Eine milde Sorte wie Taggiasca oder Kalamata ist ideal. Oliven, die in Salz statt in Lake eingelegt sind, wären zu intensiv. Lange im Ofen sollten die Oliven nicht bleiben, sonst werden sie ledrig.

Für die nötige Säure sorgt ein Schluck sizilianischer Weisswein, zum Beispiel ein Grillo. Zusammen mit der Marinade entsteht daraus eine Sauce, die der Tofu in seinen Rauten auffängt. Eine Prise Chili bringt etwas Wärme in den Abgang. Was an Sauce übrig bleibt, nimmt das Couscous auf. In der Couscoussière* gedämpft, bleibt es locker, und die Körner kleben nicht zusammen.

Ein Strich auf der Fenchel-Liste

Ob Sam jetzt ein Fenchel-Fan ist? Das würde er nie zugeben. Am Kühlschrank hängt seit Jahren eine imaginäre Strichliste unserer Fenchel-Diskussionen. Bisher stand es unentschieden, weil keiner von uns nachgeben wollte. Seit diesem Abend führe ich mit einem Punkt. Sam behauptet, das Spiel sei noch nicht zu Ende. Er hat aber ja auch behauptet, er esse Fenchel nur roh. 😜

Wenn bei euch auch jemand am Tisch sitzt, der beim Wort Fenchel die Augen verdreht, wäre jetzt ein guter Moment für einen Versuch. Und wer Fenchel ohnehin liebt, braucht für diesen Tofu aus dem Ofen definitiv keine Strichliste. 😉

Zutaten für Tofu aus dem Ofen mit Fenchel und Orangen: Tofu, Fenchel, Orange, rote Zwiebel, schwarze Oliven, Couscous und Ahornsirup
Tofu aus dem Ofen mit Fenchel und Orangen
Ein Stück Sizilien für graue Herbsttage: Fenchel, Orangen und schwarze Oliven garen mit dem Tofu in einer Form zu einem warmen, aromatischen Ofengericht. Mit lockerem Couscous serviert, überzeugt es sogar Fenchel-Skeptiker.
Zutaten für4 Portionen
Vorbereitung 25 Minuten
Zubereitung 15 Minuten
Zeit im Ofen 45 Minuten
Gesamtzeit 1 Stunde 25 Minuten

Das brauchts

Für den Tofu und die Marinade

  • 500 g Tofu
  • 2 Orangen bio
  • 3 EL Olivenöl
  • 2 EL Ahornsirup*
  • 1 TL Fenchelsamen
  • ½ TL Salz
  • Pfeffer

Für das Ofengemüse

  • 2 Fenchel gross, total ca. 600g
  • 1 Orange bio
  • 2 rote Zwiebeln
  • 1 Knoblauchknolle
  • 10 Zweige Thymian
  • 3 EL Olivenöl
  • ½ TL Salz
  • 1 Prise Chiliflocken*
  • 50 ml Weisswein* trocken
  • 60 g Oliven schwarz, entsteint

Für das Couscous

  • 300 g Couscous
  • 3 EL Olivenöl
  • ½ TL Salz
  • Pfeffer

So wirds gemacht

Tofu marinieren

  • Tofu in ein Küchentuch einschlagen, mit einem schweren Gegenstand beschweren und 15 Min pressen
  • Tofu in ca. 2 cm dicke Scheiben schneiden und eine Seite mit einem Messer ca. 1 cm tief rautenförmig einschneiden, dabei nicht durchschneiden
  • Orangen heiss abspülen, die Schale von 1 Orange fein abreiben und beide Orangen auspressen
  • Fenchelsamen im Mörser leicht zerstossen und mit Orangenabrieb, Orangensaft, Olivenöl, Ahornsirup, Salz und Pfeffer zu einer Marinade verrühren
  • Tofuscheiben mit der eingeschnittenen Seite nach unten in eine flache Schale legen, mit der Hälfte der Marinade übergiessen und 30 Min marinieren lassen, restliche Marinade beiseite stellen

Ofengemüse

  • Fenchel rüsten, das Fenchelgrün beiseite legen und die Knollen längs in Schnitze schneiden
  • Zwiebeln schälen und in Schnitze schneiden, Knoblauchknolle quer halbieren
  • Orange heiss abspülen, längs halbieren und in ca. 3 mm dicke Scheiben schneiden
  • 1 EL Olivenöl auf dem Boden der Auflaufform verteilen
  • Fenchel, Zwiebeln und Knoblauch in eine grosse Auflaufform legen, den Knoblauch mit der Schnittfläche nach unten
  • Gemüse mit Olivenöl beträufeln, mit Salz und Chiliflocken bestreuen und die Thymianzweige darauf verteilen
  • Gemüse bei 200 Grad Ober-/Unterhitze in der Ofenmitte 15 Min rösten
  • Form aus dem Ofen nehmen, Tofu mit der eingeschnittenen Seite nach oben auf das Gemüse legen und die Orangenscheiben dazwischen verteilen
  • Marinade, in der der Tofu gezogen hat, über den Tofu träufeln
  • Anschliessend weitere 15 Min rösten, bis der Tofu leicht Farbe annimmt
  • Inzwischen die beiseitegestellte Marinade mit dem Weisswein verrühren
  • Form erneut aus dem Ofen nehmen und Weissweinmarinade über den Tofu giessen, sodass sie in die Rauten läuft
  • Anschliessend nochmals 15 Min garen, bis der Fenchel weich und die Sauce leicht eingekocht ist

Couscous

  • Couscous in eine Schüssel geben, 2 EL Olivenöl und 100 ml Wasser dazugeben, mit Salz und Pfeffer würzen, gut mischen und 10 Min quellen lassen
  • Couscous-Pfanne ca. 15 cm hoch mit Wasser füllen und zum Kochen bringen
  • Couscous in den Siebaufsatz geben, auf die Pfanne setzen und zugedeckt 15 Min auf dem Dampf garen
  • Couscous zurück in die Schüssel geben, 1 EL Olivenöl und 50 ml Wasser dazugeben, mischen und 5 Min quellen lassen
  • Couscous erneut in den Siebaufsatz geben und weitere 15 Min auf dem Dampf garen

Anrichten

  • Couscous auf einen Teller geben, etwas Gemüse und den Tofu darauf verteilen, mit Sauce beträufeln und servieren

Tipp!

  • Wenn du Knoblauch magst, nimm zwei Knollen, dann bekommt jede Person eine Hälfte.
  • Nimm für die Orangenscheiben eine Orange mit dünner Schale, so wird sie im Ofen weniger bitter.
  • Verwende milde, natürlich gereifte Oliven wie Taggiasca oder Kalamata. In Salz eingelegte Oliven sind zu intensiv, geschwärzte schmecken flach.
  • Setz das Couscous auf, sobald das Gemüse im Ofen ist, dann ist alles gleichzeitig fertig.
  • Wenn du keine Couscous-Pfanne hast, kannst du das Couscous auch nach Packungsbeilage zubereiten.
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Nahaufnahme von Tofu aus dem Ofen mit Rautenmuster und Orangenmarinade auf Couscous

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