Manche Kuchen backt man einfach. Diesen muss man stürzen. Unter dem unscheinbaren Teig verbirgt sich eine goldene Krone aus karamellisierter Ananas und Kirschen, die erst ans Licht kommt, wenn du die Form beherzt umdrehst. Ein veganer Ananaskuchen, bei dem der schönste Moment eine kleine Mutprobe ist. Traust du dich?
DIREKT ZUM REZEPTAlles, was mit Ananas 🍍 zu tun hat, zieht augenblicklich meine Aufmerksamkeit auf sich. Die frische Frucht für sich, goldgelb und saftig, mit dieser perfekten Balance aus süss und säuerlich. Im Glas als Piña Colada oder in einer fruchtigen Sangria. Als Dessert, etwa eine Panna Cotta mit grillierter Ananas, bei der das Feuer die Süsse karamellisiert. Aber auch in herzhaften Gerichten macht sie sich wunderbar. In einem sommerlichen Reissalat oder natürlich im Schweizer Klassiker schlechthin, dem Riz Casimir. Du siehst also, ich bin etwas voreingenommen, sobald eine Ananas im Spiel ist. 🙈

Ein Rezept aber hat in meiner Sammlung lange gefehlt. Vor Jahren besuchten wir Freunde in Texas. Es war das Memorial-Day-Wochenende und wir waren zum Grillieren eingeladen. Mit dabei waren Nachbarn, Freunde und Verwandte, und alle hatten etwas mitgebracht. Von Broccolisalat über Bowle bis zu Desserts war der Tisch reich gedeckt. Ein Dessert hatte es mir besonders angetan: ein glänzender, karamelliger Ananaskuchen mit Kirschen 🍒 obendrauf, kopfüber gebacken und gestürzt.
Ich fragte natürlich nach dem Rezept und bekam es auf einen Zettel gekritzelt. Leider verschwand es dann für Jahre in jener Schublade, in der gute Vorsätze und lose Rezepte gemeinsam Staub ansetzen. Bis ich mir neulich endlich vornahm, genau diese Schublade auszumisten. Zwischen all den Zetteln, die ich längst vergessen hatte, hielt ich plötzlich das Rezept für diesen Ananaskuchen wieder in den Händen. 😍 Diesmal liess ich es nicht zurück in die Schublade wandern, sondern holte eine Dose Ananas aus der Vorratskammer und heizte den Ofen vor. Das Ergebnis hat mich genauso begeistert wie damals vor vielen Jahren in Texas. 🇺🇸

Woher der gestürzte Ananaskuchen kommt
Dass dieser Kuchen so amerikanisch wirkt, hat einen guten Grund. Gestürzte Früchtekuchen sind uralt. Schon im 19. Jahrhundert wurden Pflaumen, Äpfel und Kirschen in einer gusseisernen Pfanne mit Zucker karamellisiert und mit Teig überbacken.
Die Ananas kam erst später dank einer technischen Neuerung dazu. Der klassische amerikanische Pineapple Upside Down Cake geht auf die Zeit nach 1903 zurück, als Jim Dole die Ananas in Dosen erfand. Plötzlich war die exotische Frucht erschwinglich und das ganze Jahr über verfügbar. Der eigentliche Durchbruch kam 1925, als die Hawaiian Pineapple Company, das heutige Dole, einen Rezeptwettbewerb veranstaltete. Die Resonanz war überwältigend. Es wurden über 60’000 Rezepte eingeschickt, davon allein 2’500 für den Ananas Upside Down Cake. 👩🏻🍳

Gewonnen hat schliesslich das Rezept einer Mrs. Robert Davis aus Norfolk, Virginia, auch wenn bei so vielen fast identischen Einsendungen kaum zu sagen ist, wer den Kuchen wirklich erfunden hat. Dole nutzte die grosse Menge kurzerhand für eine Werbekampagne. Der Kuchen wurde besonders in den 1950er- und 1960er-Jahren enorm populär. Bis heute ist er fester Bestandteil amerikanischer Potlucks, was erklärt, warum er ausgerechnet an einem Memorial-Day-Wochenende in Texas auf meinem Teller landete. ❤️🤍💙
Veganen Ananaskuchen backen: worauf es ankommt
Das Spektakulärste an diesem Kuchen passiert dort, wo man es zunächst gar nicht sieht: ganz unten in der Form. Geschmolzene vegane Butter und Rohrohrzucker bilden die Basis für die glänzende Karamellschicht, die den Kuchen ausmacht. Während des Backens schmilzt der Zucker in der Butter, verbindet sich mit dem Saft der Ananas und karamellisiert zu einer goldbraunen, leicht klebrigen Schicht. Genau deshalb wird der Kuchen kopfüber gebacken. Die Früchte liegen zunächst unten und kommen erst beim Stürzen in voller Pracht nach oben.

Warum Apfelmus statt Ei in den Teig kommt
Dieser Klassiker lässt sich ausserdem ganz leicht veganisieren. Als Ei-Ersatz sorgt Apfelmus dafür, dass der Teig bindet und die Krume saftig bleibt. Vegane Butter und pflanzliche Milch ersetzen ihre tierischen Pendants eins zu eins – und schon ist aus dem amerikanischen Original ein rein pflanzlicher Kuchen geworden, ohne dass man einen Unterschied merkt. Ananassaft und ein Schuss Rum bringen zusätzliches Aroma in den Teig. 😋



Lass dich nicht irritieren, wenn die Masse beim Anrühren kurz flockig aussieht. Das passiert, wenn der säurehaltige Ananassaft auf die pflanzliche Milch trifft. Das ist normal und verschwindet, sobald das Mehl dazukommt. Beim Mehl gilt die goldene Regel jedes Rührkuchens: Nur kurz rühren, sonst wird der Kuchen dicht statt locker. Etwas fester als ein gewöhnlicher Rührteig darf er ruhig sein, schliesslich trägt er später das Gewicht der Früchte.





Den Ananaskuchen richtig stürzen
Und dann kommt das Stürzen. Hier ist vor allem das Timing entscheidend. Der Kuchen sollte nach dem Backen nur etwa zehn bis fünfzehn Minuten abkühlen. Lange genug, dass er sich setzen kann, aber kurz genug, dass das Karamell nicht erkaltet und festklebt. Wartet man zu lange, bleiben die Früchte in der Form zurück. Und so gelingt das Wenden:


- Mit einem Messer einmal rund um den Rand fahren, damit sich der Kuchen von der Form löst.
- Eine Tortenplatte oder einen Teller, der grösser als die Form ist, kopfüber auf die Form legen.
- Mit Topflappen beide Seiten gut fassen.
- Das Ganze in einer entschlossenen, zügigen Bewegung umdrehen.
- Anschliessend die Form vorsichtig anheben. Aber Achtung! Der Kuchen und die karamellisierte Flüssigkeit sind heiss!
Und da ist sie, die glänzende Ananaskrone. Sollte doch einmal ein Ring in der Form kleben bleiben, ist das kein Drama. Setze ihn einfach wieder an den passenden Platz auf dem Kuchen zurück. Die Mulde im Karamell zeigt genau, wohin. Niemand wird es je erfahren. 😎

Ein Stück Geschichte, frisch gebacken
Andere Kuchen zeigen dir beim Backen schon alles, was sie können. Dieser bewahrt sein Geheimnis bis zur letzten Sekunde, denn das Schönste an ihm liegt verborgen am Boden der Form und kommt erst ans Licht, wenn du ihn kopfüber kippst.
Bis dahin ist alles harmlos. Ein bisschen rühren, ein bisschen warten. Dann einmal tief durchatmen, Augen zu und durch. Mit einem zügigen Dreh wird aus einem unscheinbaren Teigdeckel eine glänzende Ananaskrone. Hundert Jahre, nachdem das Rezept den Wettbewerb gewonnen hat, ist es noch immer dieser eine beherzte Dreh, der den Unterschied macht.

Falls du also auch zu den Menschen gehörst, die bei allem mit Ananas schwach werden, oder falls du einfach einen Kuchen suchst, der ein bisschen Mut beim Anrichten belohnt, dann lass dieses Rezept nicht erst jahrelang in einer Schublade verstauben wie ich. 😉 Backe ihn! Ich brauchte dafür einen Umweg über Texas und ein paar verstaubte Jahre in der Schublade, du brauchst bloss eine Dose Ananas und ein bisschen Mut beim Wenden.

Das brauchts
Für das Topping
- 50 g vegane Butter
- 80 g Rohrohrzucker
- 8 Ananasscheiben
- 8 Cocktailkirschen
- 1 Prise Salz
Für den Teig
- 250 g Weissmehl
- 3 TL Weinstein-Backpulver*
- 1/2 TL Vanillepulver*
- 120 g vegane Butter weich
- 120 g Zucker
- 4 EL Apfelmus
- 100 ml pflanzliche Milch
- 50 ml Ananassaft
- 2 EL Rum
- 1 Prise Salz
So wirds gemacht
- Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen
Topping
- Vegane Butter schmelzen und in die Kuchenform giessen, Rohrohrzucker mit 1 Prise Salz mischen und gleichmässig darüber verteilen
- Ananas-Ringe gleichmässig auf der Butter-Zucker-Mischung verteilen und in die Mitte jedes Rings eine Cocktailkirsche legen
Teig
- Weiche vegane Butter in eine Schüssel geben und mit dem Handrührgerät 2–3 Min aufschlagen, bis sie hell und cremig ist
- Zucker und Vanillepulver dazugeben und weiterrühren, bis eine luftige Masse entsteht
- Apfelmus, Ananassaft, pflanzliche Milch und Rum unterrühren, bis alles gleichmässig verbunden ist
- In einer separaten Schüssel Weissmehl sieben, Backpulver und 1 Prise Salz dazumischen
- Mehlmischung schrittweise zur Buttermasse geben und nur kurz unterrühren, bis kein Mehl mehr sichtbar ist
- Teig vorsichtig über das Topping giessen und glatt streichen
Backen und Stürzen
- Im vorgeheizten Ofen 30 Min backen
- Kuchen locker mit Alufolie bedecken und weitere 15 Min fertig backen, Stäbchentest machen
- Kuchen aus dem Ofen nehmen, ca. 10–15 Min abkühlen lassen, dann vorsichtig kopfüber auf eine Tortenplatte stürzen, so dass die Früchte nach oben zeigen, und die Form vorsichtig lösen
Tipp!
- Rühre den Teig nur so lange, bis sich das Mehl mit der Masse verbunden hat. Wenn du zu lange rührst, wird der Kuchen weniger locker.
- Wenn die flüssige Masse nach dem Zugeben von Ananassaft und Milch flockig aussieht, ist das normal, denn die Säure reagiert mit der Milch. Sobald das Mehl dazukommt, verbindet sich alles wieder zu einem glatten Teig.
- Lass den Kuchen nach dem Backen nur etwa 10 bis 15 Minuten abkühlen, bevor du ihn stürzt. Wenn du zu lange wartest, klebt das Karamell fest und die Früchte bleiben in der Form.
- Beim Upside Down Cake ist Dosenananas die klassische Wahl, denn ihre gleichmässigen Ringe lassen sich am schönsten anordnen, und sie ist das ganze Jahr verfügbar. Frische Ananas funktioniert aber genauso gut und bringt etwas mehr Säure mit.
