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Konfitüre, Chutney oder eingelegtes Gemüse selber zu machen braucht weder viel Zeit noch teure Ausrüstung. Hier erfahrt ihr, welche Methoden es gibt und worauf es ankommt, damit eure Gläser viele Monate halten. Ausserdem klären wir, welche alten Gewohnheiten ihr getrost weglassen könnt.
Im Spätsommer und Herbst gibt es in Gärten und auf den Märkten mehr Früchte und Gemüse, als frisch gegessen werden kann. Damit Zwetschgen, Zucchetti oder Kürbis nicht verderben, greift man seit über hundert Jahren zum Einmachglas. Die Grundregeln sind schnell gelernt und die häufigsten Fehler lassen sich mit etwas Sorgfalt vermeiden.
Einmachen oder einkochen – was ist der Unterschied?
«Einmachen» und «Einkochen» sind grundsätzlich Synonyme. Im Sprachgebrauch versteht man darunter jedoch meist zwei verschiedene Verfahren.
- Einmachen: Das Füllgut wird in der Pfanne gekocht, kochend heiss in sterile Gläser gefüllt und sofort verschlossen. Dazu zählt auch, Gemüse mit kochend heissem Sud zu übergiessen. So entstehen Konfitüre, Chutney oder saure Gurken. In der Schweiz verwenden wir übrigens die vom französischen «Confiture» abgeleitete Bezeichnung, in Deutschland spricht man meist von Marmelade.
- Einkochen: Das Füllgut kommt ins Glas, das Glas wird verschlossen und anschliessend im Wasserbad erhitzt. Die Keime werden im geschlossenen Glas abgetötet und beim Abkühlen entsteht ein Vakuum.
In der Schweiz sagt man zum Einkochen oft auch «sterilisieren». Genau genommen trifft das Wort nicht ganz zu. Im Wasserbad werden höchstens 100 Grad erreicht und das reicht nicht, um alle Keime sicher abzutöten. Warum das bei manchen Lebensmitteln wichtig ist, erklären wir weiter unten.
«Einwecken» wiederum geht auf die deutsche Firma Weck zurück, deren Gläser mit Gummiring und Klammern so verbreitet waren, dass aus dem Markennamen ein Verb wurde.
Vom Einmachen zu unterscheiden ist das Fermentieren, bei dem Milchsäurebakterien das Gemüse haltbar machen und bei dem Hitze keine Rolle spielt.

Warum hält Eingemachtes so lange?
Lebensmittel verderben, weil sich darin Bakterien, Hefen und Schimmelpilze vermehren. Beim Einmachen wirken mehrere Faktoren zusammen, die dies verhindern.
- Hitze tötet die meisten Keime ab.
- Zucker bindet Wasser, das den Mikroorganismen dann fehlt. Deshalb hält eine Konfitüre mit viel Zucker länger als eine zuckerarme.
- Säure bremst das Wachstum. Essig, Zitronensaft oder die Säure der Früchte selbst senken den pH-Wert.
- Das Vakuum hält neue Keime draussen. Beim Erhitzen dehnt sich die Luft im Glas aus und entweicht. Beim Abkühlen zieht sich der Rest zusammen und saugt den Deckel fest.
Wie lange ein heiss eingefülltes Glas hält, hängt deshalb stark davon ab, wie sauber gearbeitet wurde und wie viel Zucker und Säure enthalten sind.
Methoden zum Haltbarmachen im Überblick
Alle Methoden lassen sich einer der beiden Grundtechniken zuordnen. Unsere Rezepte dazu findet ihr weiter unten, ebenfalls nach Technik geordnet.
Einmachen
Beim Einmachen wird die Masse vor dem Abfüllen gekocht und heiss ins Glas gefüllt. Dafür gibt es drei Varianten.
- Heiss einfüllen: Das ist die klassische Methode für Konfitüre, Chutney und Fruchtsenf. Auch herzhafte Varianten wie Zwiebel-Konfitüre oder süss-sauer eingelegter Kürbis werden so gemacht.
- Mit heissem Essigsud einlegen: Das Gemüse wird mit einem gewürzten Sud aus Essig, Wasser, Zucker und Salz übergossen. Der Essig übernimmt dabei einen grossen Teil der Konservierung. Manche Rezepte ziehen sich über mehrere Tage, damit das Gemüse Säure und Aroma aufnehmen kann.
- Schnell eingelegt für den Kühlschrank: Der heisse Sud wird nur über das rohe Gemüse gegossen. Solche Pickles sind nach wenigen Tagen essbereit und halten im Kühlschrank einige Wochen. Für den Einstieg ist das die einfachste Variante.
Einkochen
Beim Einkochen wird das Füllgut im verschlossenen Glas erhitzt. Das ist zwar aufwendiger, dafür lassen sich aber auch Kompott, Saucen oder Gemüse ohne viel Zucker haltbar machen. Auch Eingemachtes kann zusätzlich eingekocht werden, um die Haltbarkeit zu verlängern.
Wie lange und wie heiss eingekocht wird, hängt vom Lebensmittel ab. Die folgenden Richtwerte gelten für Obst und Gemüse im Wasserbad. Die Zeit läuft ab dem Moment, in dem das Wasser die angegebene Temperatur erreicht hat. Verbindlich sind aber immer die Angaben im jeweiligen Rezept.
| Lebensmittel | Temperatur | Einkochzeit |
|---|---|---|
| Beeren | 80 Grad | 15 bis 20 Minuten |
| Steinobst wie Kirschen, Zwetschgen, Mirabellen oder Aprikosen | 80 bis 85 Grad | 20 bis 30 Minuten |
| Kernobst wie Äpfel oder Birnen | 85 Grad | 30 bis 40 Minuten |
| Säurearmes Gemüse | 100 Grad | zweimal 60 bis 120 Minuten, im Abstand von 24 bis 48 Stunden |
Für säurearmes Gemüse gelten zusätzliche Regeln, die wir weiter unten erklären.

Welche Gläser eignen sich zum Einmachen?
Zum Einmachen eignen sich Gläser mit Gummiring und Klammern oder Schraubgläser. Entscheidender als die Bauart ist der Zustand, denn ein Glas mit abgesplittertem Rand schliesst nicht mehr dicht.
- Gläser mit Gummiring und Klammern sind der Klassiker zum Einkochen. Die Klammern halten den Glasdeckel während des Erhitzens fest und lassen trotzdem Luft entweichen. Nach dem Auskühlen werden sie entfernt.
- Schraubgläser mit Twist-off-Deckel lassen sich wiederverwenden, solange Glas und Deckel unbeschädigt sind. Sie sind aber dünner und etwas bruchempfindlicher.
Nicht geeignet sind Gläser mit fest montiertem Bügel. Der Bügel drückt den Deckel dauerhaft auf das Glas, deshalb lässt sich nicht erkennen, ob sich ein Vakuum gebildet hat. Auch wir haben früher teilweise Bügelgläser verwendet, weil wir es nicht besser wussten.
Tastet vor jedem Gebrauch die Glasränder mit den Fingern ab und prüft die Gummiringe. Poröse Ringe müssen ersetzt werden. Neue und gebrauchte Ringe werden vor der Verwendung etwa fünf Minuten in Essigwasser ausgekocht.
Gläser sterilisieren
Beim Heisseinfüllen werden die Keime lediglich durch die Hitze der Masse abgetötet. Deshalb müssen Gläser und Deckel vorher keimfrei sein. Am zuverlässigsten gelingt das in kochendem Wasser. Stellt die sauberen Gläser mit der Öffnung nach oben in einen grossen Topf, gebt die Deckel und Gummiringe dazu, bedeckt alles mit heissem Wasser und lasst es 15 Minuten sprudelnd kochen. Nehmt die Gläser erst kurz vor dem Einfüllen heraus, dann sind sie noch heiss, wenn die Masse fertig ist.
Wenn ein Glas anschliessend eingekocht wird, ist kein Vorsterilisieren nötig. Heiss abspülen genügt, denn beim Einkochen werden Glas und Inhalt gemeinsam erhitzt.
Andere Methoden werden zwar häufig empfohlen, sind aber weniger zuverlässig.
- Backofen: Auch viele Schweizer Rezepte erhitzen die Gläser im Ofen. Trockene Hitze verteilt sich aber ungleichmässig und überträgt sich viel schlechter als Wasser. Einmachgläser sind zudem nicht für trockene Hitze ausgelegt und können springen. Lebensmittelfachstellen raten deshalb davon ab.
- Mikrowelle: Sie erhitzt ungleichmässig, und ob ein Glas überall heiss genug war, lässt sich nicht kontrollieren. Metalldeckel dürfen ohnehin nicht in die Mikrowelle.
- Spülmaschine: Selbst Programme mit Hygienestufe erreichen nur rund 77 bis 82 Grad. Die Gläser werden zwar sauber und bleiben warm, steril sind sie danach aber nicht. Für Gläser, die anschliessend eingekocht werden, reicht das.
Anleitung: Einmachen und Einkochen Schritt für Schritt
Neben den Gläsern braucht ihr einen grossen Topf und fürs Einkochen ein Thermometer.
So wird eingemacht
- Gläser vorbereiten: Gläser und Deckel sterilisieren, bevor die Masse fertig ist.
- Masse kochen: Konfitüre, Chutney oder Sud nach Rezept kochen.
- Heiss einfüllen: Die siedend heisse Masse bis knapp unter den Rand einfüllen. Bei Gemüse darauf achten, dass alles mit Flüssigkeit bedeckt ist.
- Rand reinigen: Zwischen Glasrand und Deckel dürfen keine Reste bleiben, sonst schliesst das Glas nicht dicht.
- Sofort verschliessen: Deckel zudrehen oder Gummiring, Deckel und Klammern aufsetzen.
- Aufrecht auskühlen lassen: Die Gläser auf einem Tuch stehen lassen, bis sie ganz ausgekühlt sind.

Wer die Haltbarkeit zusätzlich absichern möchte, stellt die verschlossenen Gläser nach dem Einfüllen fünf Minuten ins kochende Wasserbad. Falls ihr euch fragt, warum die Gläser hier nicht auf den Kopf gestellt werden, findet ihr die Antwort weiter unten.
So wird eingekocht
- Gleich grosse Gläser wählen: So werden in einem Durchgang alle gleichmässig durcherhitzt.
- Sauber arbeiten: Gläser und Deckel heiss abspülen, Gummiringe in Essigwasser auskochen.
- Gläser füllen: Das Füllgut bis knapp unter den Rand einschichten und vollständig mit Flüssigkeit bedecken. Bei Schraubgläsern etwa zwei Zentimeter Platz lassen.
- Rand reinigen: Keine Reste zwischen Glasrand und Deckel.
- Verschliessen: Gummiring, Deckel und Klammern aufsetzen oder den Twist-off-Deckel zudrehen.
- In den Topf stellen: Ein Küchentuch auf den Topfboden legen, damit die Gläser nicht springen. Sie dürfen sich berühren, aber nicht verkanten. Den Topf so weit mit Wasser füllen, dass es gleich hoch steht wie der Inhalt der Gläser. Das Wasser sollte etwa so warm sein wie das Füllgut, also kalt bei kaltem und heiss bei heissem Inhalt.
- Einkochen: Langsam aufheizen. Die Einkochzeit beginnt erst, wenn das Wasser die Zieltemperatur erreicht hat.
- Herausnehmen: Die Gläser nach Ablauf der Zeit sofort aus dem Topf nehmen und auf einem Tuch auskühlen lassen. Bleiben sie im Wasser, leidet die Qualität, und das Vakuum kann zu schwach werden.

Einkochen im Backofen ist ebenfalls möglich, wenn die Gläser in einer mit Wasser gefüllten Form stehen. Diese Variante gilt aber als weniger sicher, weil sich die Wärme im Glas schlechter steuern lässt.
Nach dem Auskühlen: prüfen und beschriften
Ob ein Glas dicht ist, zeigt sich erst, wenn es vollständig ausgekühlt ist. Das gilt für beide Techniken.
- Glas mit Gummiring: Die Klammern entfernen und prüfen, ob der Deckel von allein hält. Er muss fest auf dem Gummiring sitzen und darf sich bei leichtem seitlichem Druck mit den Fingerspitzen weder verschieben noch von der Dichtung lösen. Bei intaktem Vakuum zeigt die Lasche des Gummirings zudem schräg nach unten.
- Twist-off-Glas: Die Mitte des Deckels ist leicht nach innen gewölbt. Drückt man darauf, gibt sie nicht nach und springt auch nicht mit einem Klicken zurück.
Hat sich kein Vakuum gebildet, kann das Glas direkt noch einmal eingekocht werden – mit neuem Gummiring oder Deckel. Heiss Eingefülltes lässt sich ebenfalls nochmals aufkochen und in saubere Gläser füllen. Oder ihr stellt das Glas in den Kühlschrank und esst den Inhalt spätestens am nächsten Tag. In diesem Fall kocht ihr das eingekochte Gemüse vor dem Essen noch einmal gut auf.
Anschliessend kommt auf jedes Glas ein Etikett mit Inhalt und Datum. Nach ein paar Monaten sehen viele Gläser im Vorratsschrank gleich aus und erst das Datum zeigt, wie lange ein Glas schon steht und welches zuerst aufgebraucht werden sollte. Bei Gemüse, das zweimal eingekocht wird, gehört auch der zweite Durchgang aufs Etikett.
Tipps zum Einmachen und Einkochen
- Frische Zutaten verwenden: Früchte und Gemüse sollten reif sein, aber nicht überreif und ohne Druckstellen.
- Gemüse blanchieren: Vor dem Einkochen ein bis vier Minuten in siedendes Wasser geben und danach in Eiswasser abschrecken. Das bremst Enzyme, die sonst Farbe, Geschmack und Biss verändern, senkt die Keimzahl und lässt das Gemüse zusammenfallen, sodass mehr ins Glas passt.
- Zügig arbeiten: Je kürzer die Zeit zwischen Kochen und Verschliessen, desto weniger Keime gelangen ins Glas.
- Richtig lagern: Dunkel, kühl und trocken gelagert, hält Eingekochtes etwa ein Jahr.
- Nach dem Öffnen: Geöffnete Gläser gehören in den Kühlschrank und sollten bald aufgebraucht werden.
Und die Vitamine?
Ganz ohne Verluste geht es nicht. Hitzeempfindliche Vitamine wie Vitamin C und die B-Vitamine nehmen beim Erhitzen ab, etwa in der gleichen Grössenordnung wie beim normalen Kochen. Im verschlossenen Glas bleiben die verbliebenen Vitamine danach weitgehend stabil, weil kein Sauerstoff mehr dazukommt. Frisches Gemüse verliert dagegen auch bei der Lagerung laufend Vitamine. Mineralstoffe bleiben erhalten, gehen aber teilweise in die Flüssigkeit über. Deshalb ist es sinnvoll, den Aufguss mitzuverwenden.
Muss man Einmachgläser stürzen?
Viele haben gelernt, Konfitürengläser nach dem Einfüllen auf den Kopf zu stellen. Manche Kochbücher empfehlen diese Methode bis heute. Die Idee dahinter ist, dass die heisse Masse den Deckel und die Luft darunter erhitzt und so letzte Keime abtötet.

Die Lebensmittelforschung rät jedoch mittlerweile davon ab. Die Hitze der Masse reicht nicht aus, um den Deckelbereich zuverlässig keimfrei zu machen. Zudem fällt das Vakuum schwächer aus als bei Gläsern, die im Wasserbad erhitzt werden. Es bildet sich beim Abkühlen ohnehin, auch bei aufrecht stehenden Gläsern. Wenn die Gläser länger kopfüber stehen, kann die Masse am Deckel festkleben. Wer sichergehen will, stellt die Gläser stattdessen fünf Minuten ins kochende Wasserbad. Auch wenn es lange so gemacht wurde, stürzen wir unsere Gläser deshalb nicht mehr.
Worauf ihr beim Haltbarmachen achten müsst
Bei sauberer Arbeitsweise sind Konfitüre, Kompott und in Essig eingelegtes Gemüse unproblematisch. Vorsicht ist jedoch bei säurearmen Lebensmitteln und bei allem, was in Öl eingelegt wird, geboten, denn dort droht Botulismus. Diese schwere Lebensmittelvergiftung wird durch das Gift des Bakteriums Clostridium botulinum verursacht. Es vermehrt sich nur ohne Sauerstoff, zum Beispiel in einem verschlossenen Glas. In der Schweiz ist Botulismus mit ein bis zwei Fällen pro Jahr sehr selten, ein grosser Teil der Fälle geht jedoch auf selbst Eingekochtes zurück. Mit den folgenden Regeln bleibt das Risiko gering.

Säurearme Lebensmittel
Unterhalb eines pH-Werts von 4.6 kann sich das Bakterium kaum vermehren. Die meisten Früchte sind sauer genug. Gemüse und Hülsenfrüchte liegen meist darüber, eine Ausnahme sind viele Tomatensorten. Am sichersten werden säurearme Lebensmittel unter Druck auf 121 Grad erhitzt. In den USA gilt nur diese Methode als zuverlässig. Ein gewöhnlicher Schnellkochtopf wird dafür allerdings in der Regel nicht heiss genug. Im Wasserbad, das höchstens 100 Grad erreicht, wird säurearmes Gemüse deshalb im Abstand von ein bis zwei Tagen zweimal eingekocht und vor dem Verzehr noch einmal aufgekocht. Bei eingelegtem Gemüse senkt Essig das Risiko deutlich. Geöffnete Gläser gehören aber immer in den Kühlschrank.
In Öl eingelegt
Getrocknete Tomaten, Knoblauch oder Kräuter in Öl eignen sich nicht als Vorrat. Das Öl schliesst den Sauerstoff aus und schafft damit die Bedingungen, unter denen das Bakterium sein Gift bildet. Ob genügend Säure vorhanden ist, um dies zu verhindern, lässt sich zu Hause nicht kontrollieren. Solche Zubereitungen gehören in den Kühlschrank und sollten spätestens am Tag nach der Herstellung gegessen werden.
Warnzeichen am Glas
- Gewölbter Deckel: Ein ausgebeulter Schraubdeckel deutet auf Gasbildung hin. Solche Gläser ungeöffnet entsorgen.
- Loser Deckel: Lässt sich der Deckel eines Glases mit Gummiring abheben oder fehlt beim Öffnen das typische Zischen, ist das Vakuum zerstört.
- Veränderter Inhalt: Trüber oder verfärbter Inhalt und ein ungewohnter Geruch sind ebenfalls Gründe, das Glas wegzuwerfen.
Nicht jeder Befall ist sichtbar, denn manche Bakterienstämme bilden Gift, ohne Gas zu produzieren. Deshalb ist das Aufkochen von selbst eingekochtem Gemüse vor dem Verzehr die sicherste Vorsichtsmassnahme.

Zusammengefasst: Das Wichtigste für die Praxis
Wer sauber arbeitet und kochend heiss einfüllt, kann Konfitüren, Chutneys und eingelegtes Gemüse zuverlässig haltbar machen. Säurearmes Gemüse muss zweimal eingekocht werden und sollte vor dem Verzehr noch einmal aufgekocht werden. Zubereitungen in Öl gehören nicht in den Vorrat. Das Stürzen der Gläser könnt ihr euch sparen, ein kurzes Wasserbad bringt mehr Sicherheit.
Kurze Geschichte des Einmachens
Bis ins 19. Jahrhundert bedeutete Vorratshaltung vor allem Einkellern, Dörren, Salzen und in Essig einlegen. Sauer eingelegtes Gemüse ist in fast allen Küchen der Welt verbreitet, vom persischen Sir Torshi bis zu den Pickles aus New York.
Appert und das Glas im Wasserbad
Das Prinzip des Einkochens geht auf den Pariser Zuckerbäcker Nicolas Appert zurück. Er füllte Lebensmittel in Glasflaschen, verschloss sie luftdicht und erhitzte sie in kochendem Wasser. 1810 erhielt er vom französischen Innenministerium 12’000 Francs und veröffentlichte im Gegenzug sein Verfahren. Die Geschichte von Napoleons Preisausschreiben ist populär, aber schlecht belegt.
Vom Patent zum Einwecken
Das Einmachglas mit Gummiring und Deckel liess sich der Chemiker Rudolf Rempel 1892 patentieren. Johann Carl Weck kaufte das Patent im Jahr 1895 und gründete 1900 zusammen mit Georg van Eyck die Firma, deren Name bis heute im Wort «einwecken» steckt. Überliefert ist, dass Weck Vegetarier und Antialkoholiker war und sich deshalb für ein Verfahren interessierte, das Früchte ohne Alkohol haltbar machte.
Einmachen in der Schweiz
In Lenzburg füllte die spätere Hero 1886 ihre erste Dose mit Erbsen ab. Als im Ersten Weltkrieg keine Weckgläser mehr aus Deutschland geliefert werden konnten, entwickelte die Glashütte Bülach ein eigenes Einmachglas. Die grünen Bülacher Gläser standen jahrzehntelang in vielen Vorratskammern, bis die Produktion 1972 eingestellt wurde, weil immer mehr Haushalte eine Tiefkühltruhe besassen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Vorratshaltung durch die Anbauschlacht zur nationalen Aufgabe. Etwas früher beginnt die Geschichte des Birnels. Mit dem Alkoholgesetz von 1932 förderte der Bund die Verarbeitung von Mostbirnen zu Dicksaft statt zu Schnaps. Seit 1952 vertreibt die Winterhilfe den Birnel.
Unsere Rezepte zum Einmachen
Hier findet ihr unsere Rezepte, geordnet nach Technik.
Eingemacht
Eingekocht
FAQ: Einmachen und Einkochen
Die häufigsten Fragen rund ums Einmachen und Einkochen, kurz beantwortet.
Im Alltag werden die Begriffe gleichbedeutend verwendet. In der Küche unterscheidet man dagegen meistens zwei Verfahren. Beim Einmachen wird die Masse gekocht und heiss in sterile Gläser gefüllt. Beim Einkochen werden die verschlossenen Gläser im Wasserbad erhitzt.
Nein. Wer sauber arbeitet und die Masse kochend heiss einfüllt, muss die Gläser nicht auf den Kopf stellen. Das Vakuum bildet sich beim Abkühlen auch in einem aufrecht stehenden Glas. Wer sichergehen will, stellt die Gläser stattdessen fünf Minuten ins kochende Wasserbad.
Dunkel, kühl und trocken gelagert, hält Eingekochtes etwa ein Jahr. Bei heiss Eingefülltem hängt die Haltbarkeit stark von Hygiene, Zucker- und Säuregehalt ab. Massgebend ist die Angabe im Rezept.
Ja, solange Glas und Deckel unbeschädigt sind und der Deckel noch dicht schliesst. Nach dem Einmachen zeigt ein nach innen gewölbter Deckel, dass sich ein Vakuum gebildet hat.
Ein nach aussen gewölbter oder loser Deckel, ein fehlendes Zischen beim Öffnen, trüber oder verfärbter Inhalt und ein ungewohnter Geruch sind klare Warnzeichen. Solche Gläser gehören in den Abfall. Wenn der Deckel nach aussen gewölbt ist, werft ihr das Glas ungeöffnet weg.
Ja, wenn die Gläser in einer mit Wasser gefüllten Form stehen. Der Backofen gilt aber als weniger sicher als der Topf, weil sich die Temperatur im Glas schlechter steuern lässt.
Das ist möglich, erfordert aber Sorgfalt. Hülsenfrüchte sind säurearm und sollten im Abstand von ein bis zwei Tagen zweimal auf 100 Grad erhitzt und vor dem Essen nochmals aufgekocht werden. Einfacher ist es, gekochte Hülsenfrüchte portionenweise einzufrieren.
Ja, vor allem hitzeempfindliche Vitamine wie Vitamin C nehmen beim Erhitzen ab, etwa gleich stark wie beim normalen Kochen. Im verschlossenen Glas bleiben die verbliebenen Vitamine danach weitgehend stabil. Mineralstoffe gehen zum Teil in die Flüssigkeit über.
In den meisten Fällen ja, denn Früchte, Gemüse, Zucker, Essig und Gewürze sind rein pflanzlich. Beim Selbermachen lohnt sich trotzdem ein Blick ins Rezept und auf die Verpackungen der Zutaten. Honig lässt sich durch Zucker oder Birnel ersetzen, und Gelierzucker funktioniert mit pflanzlichem Pektin statt Gelatine. Wein wird teilweise mit tierischen Stoffen wie Gelatine oder Eiweiss geklärt. Wer sichergehen will, greift zu Wein mit Vegan-Label.
Quellen
Sicherheit
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Selten, aber vermeidbar – Fragen und Antworten zum Botulismus, 15. Juni 2023
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Selbst hergestellte Kräuteröle und in Öl eingelegtes Gemüse bergen gesundheitliche Risiken, Mitteilung Nr. 001/2016
- Bundesamt für Gesundheit (BAG): Botulismus
- National Center for Home Food Preservation (University of Georgia, nach USDA Complete Guide to Home Canning): General Information on Canning Jams, Jellies, and Marmalades
- National Center for Home Food Preservation: Sterilization of Empty Jars
- University of Maine Cooperative Extension: Bulletin #4078, Let’s Preserve: Food Canning Basics
- Michigan State University Extension: Unsafe Food Preservation Methods
- Michigan State University Extension: Processing jams and jellies
- South Dakota State University Extension: The «Why» Behind Unsafe Canning Practices, 2023
Technik und Ernährung
- Verbraucherzentrale Niedersachsen: Einkochen und Einmachen – Jahreszeiten im Glas, Stand 6. Oktober 2025
- AGRIDEA: Feines aus dem Glas – Sterilisieren – Rezepte, 2024
- BBZ Arenenberg, Kanton Thurgau: Sterilisieren von Früchten
- Rickman, J. C.; Barrett, D. M.; Bruhn, C. M.: Nutritional comparison of fresh, frozen and canned fruits and vegetables. Part 1, Journal of the Science of Food and Agriculture 87 (2007), S. 930–944
Geschichte
- Nicolas Appert: L’art de conserver pendant plusieurs années toutes les substances animales et végétales, mit Abdruck aus dem Journal de l’Empire vom 22. Juni 1810, Gallica/BnF
- Spektrum der Wissenschaft: Kleine Geschichte der vielleicht haltbarsten Erfindung der Welt
- J. Weck: Unsere Geschichte
- Wikipedia: Johann Carl Weck
- Uwe Spiekermann: Glas in den häuslichen Alltag! Konservieren und Einkochen bis zum Zweiten Weltkrieg
- Hero Group: Die Grundlagen werden gelegt 1886–1935
- Glasi Bülach: Geschichte
- Tages-Anzeiger: Glashütte Bülach um 1910, 2025
- Albert Tanner: Anbauschlacht, Historisches Lexikon der Schweiz (HLS)
- Winterhilfe Schweiz: 60 Jahre Winterhilfe-Birnel, 5. November 2012
Stand: September 2026












