Aprikosen gehören ins Dessert? Von wegen! Wir schicken sie auf den Grill, bis sie karamellig und rauchig sind, und betten sie auf bunte Tomaten und cremigen veganen Ricotta. Ein leichtes Sommergericht, das süss, säuerlich und herzhaft in einem einzigen Bissen vereint. Warm serviert, versteht sich.
DIREKT ZUM REZEPTIm Sommer mögen wir es in der Küche gerne leicht, und was passt da besser als Salate? Wer uns aber kennt, weiss, dass es bei uns selten einfach bei einem Blattsalat bleibt. Ob wir den Salat ins Glas verfrachten, Kartoffeln smashen oder ganz klassisch einem Bohnensalat einen asiatischen Touch verpassen, die Ideen gehen uns nicht so schnell aus. 😎

Unsere neuste Kreation ist ein grillierter Salat. Natürlich grillieren wir nicht einen Kopfsalat (wobei man auch das einmal probieren könnte), sondern die Aprikosen, die eine der Hauptkomponenten sind. 🍑
Nicht, dass es etwas Neues wäre, dass wir Früchte mit Salat kombinieren. Das zeigen schon unser Wassermelonensalat, der Zwetschgensalat mit Couscous oder der Reissalat in der Ananas. Diesmal legen wir aber noch einen drauf und grillieren die Früchte.

Salat vom Grill? Am Mittelmeer kennt man das
Der Gedanke, einen Salat übers Feuer zu schicken, klingt im ersten Moment nach einem Widerspruch. Salat ist doch kühl und knackig und kommt roh auf den Teller.
Tatsächlich ist die Idee aber alles andere als eine Spielerei. Man muss nicht einmal in trendigen Restaurantküchen suchen, in denen grillierter Lattich gerade hoch im Kurs steht. Rund ums Mittelmeer wird schon seit Generationen grilliert, was später im Salat landet.
Das prominenteste Beispiel kommt aus Tunesien. Der Slata Méchouia trägt seine Machart schon im Namen. «Mechoui» bedeutet auf Arabisch grilliert oder geröstet. 🔥 Für diese sehr beliebte Vorspeise, die vor allem im Sommer gegessen wird, werden Tomaten, Chili, Zwiebeln und Knoblauch grilliert, bis die Haut schwarz und die Aromen tief und rauchig sind. Traditionell wird sie von Hand mit gerissenem Baguette oder Fladenbrot aufgetunkt. 🫓

Ein paar Länder weiter westlich macht man in Katalonien im Grunde dasselbe. Die Escalivada besteht aus grilliertem oder geröstetem Gemüse, typischerweise roten Peperoni, Auberginen, Zwiebeln und Tomaten. 🍅 Auch hier steckt die Methode im Namen. Das katalanische Wort «escalivar» bedeutet, in der Glut und Asche garen.
Serviert wird sie klassisch mit dicken Scheiben knusprig geröstetem Brot, dessen Textur wunderbar mit dem seidigen Gemüse harmoniert. Kommt uns irgendwie bekannt vor.
Warum sich Aprikosen fürs Grillieren so gut eignen
Uns geht es weniger um eine bestimmte Zutat als um das Prinzip, dass Hitze und Röstaromen einem sommerlichen Teller eine Tiefe geben, die die rohe Variante schlicht nicht hat. Durch die hohe Hitze karamellisiert der natürliche Zucker und bringt die Süsse zum Vorschein, während sie den Geschmack verstärkt. Hinzu kommt eine feine rauchige Note, die aus einer Frucht plötzlich etwas Herzhaftes macht. 🔥
Bei uns übernehmen Aprikosen diese Rolle. Steinfrüchte halten der Hitze gut stand, und die sanfte Karamellisierung zaubert eine wunderbar rauchige Süsse hervor.

Dabei lohnt es sich, zwei Dinge zu beherzigen. Festere, nicht überreife Früchte halten auf dem Grill besser, denn die Hitze schwächt die Struktur, wodurch sehr reife Stücke rasch zerfallen. Und wer die Früchte vorher mit Olivenöl bepinselt, verstärkt das Spiel zwischen süss und herzhaft.
Was den grillierten Aprikosensalat zusammenhält
Interessant wird dieser Salat durch seine Gegensätze. Die grillierten Aprikosen sind der süsse, warme Mittelpunkt. Ihre Röstaromen und die konzentrierte Süsse geben dem Teller Charakter und setzen sich gegen die Säure der Tomaten durch.
Im Gegenzug liefern die bunten Tomaten Frische, Saft und einen leicht säuerlichen Rahmen, der die Süsse der Frucht erdet, damit das Ganze nicht ins Dessertartige kippt. Die Cherrytomaten sind die kleinen Spannungsträger dazwischen, mit einem konzentrierteren, intensiveren Biss.
Die gerösteten Kürbis- und Pinienkerne sorgen für einen knusprigen Kontrast und eine nussige Wärme, die das Röstaroma der Aprikosen aufgreift. Die frischen Kräuter, Basilikum 🌿, Thymian und Oregano, sind kein Deko-Beiwerk, sondern halten mit ihrer aromatischen Frische alles im Gleichgewicht.

Das einfache Dressing aus Olivenöl und Aceto Balsamico zieht schliesslich einen süss-säuerlichen Faden durch das Ganze, wobei der Balsamico mit seiner sirupartigen Süsse besonders schön mit den Aprikosen harmoniert. 😚👌🏼
Dabei sind zwei Dinge entscheidend. Einerseits sollen die Aprikosen Röstaromen bekommen, ohne zu Mus zu zerfallen. Andererseits müssen die süssen, säuerlichen und frischen Komponenten im Gleichgewicht bleiben. Wenn eine dieser Komponenten überhandnimmt, wird der Salat entweder zu süss oder er verliert seinen Reiz.
Ricottacreme, die Ruhe zwischen den Extremen
Womit wir beim entscheidenden Gegenspieler wären. Als wir überlegten, was zwischen die süssen Aprikosen und die säuerlichen Tomaten gehört, war schnell klar, dass es etwas Cremiges, Mildes braucht, das beide Extreme zusammenhält, ohne sich vorzudrängen.
Lange mussten wir nicht suchen. Unsere vegane Ricottacreme, die schon auf unseren Pides eine gute Figur gemacht hat, war die logische Wahl. Sie legt sich sanft über den Teller und fängt Süsse wie Säure gleichermassen auf.


Für diesen Salat mixen wir die Ricottacreme in wenigen Minuten zusammen, cremig und mild, und niemand würde vermuten, wie einfach das geht. Wer es lieber klassischer mag, findet in unserem Beitrag zu veganem Ricotta aber auch eine festere Variante zum Formen und Füllen.
Dazu gibt es ein schnelles Knoblauchbrot 🧄, ruck-zuck gemacht und perfekt zum Auftunken zwischen den Bissen. Achte nur darauf, dass es goldbraun und knusprig vom Rost kommt und nicht verkohlt, denn ein bitterer Rand würde das feine Zusammenspiel zunichte machen.

Der frischeste Weg, den Sommer zu grillieren
Aprikosen auf den Grill zu legen fühlt sich das erste Mal an, als würde man etwas falsch machen. Ungefähr so, wie Ananas auf die Pizza zu legen, nur dass hier am Ende keine Grundsatzdiskussionen ausbrechen. Spätestens wenn die erste karamellisierte Aprikose auf der Ricottacreme landet und das Knoblauchbrot den letzten Rest Balsamico vom Teller holt, sind die anfänglichen Zweifel vergessen.
Und falls die Nachbarn neugierig über den Zaun schauen, weil da schon wieder etwas Verdächtiges auf eurem Rost brutzelt, dann winkt einfach charmant und tut so, als hättet ihr das schon immer so gemach. Halb Nordafrika und Katalonien mach das schliesslich auch. 😉

Das brauchts
Für die Ricottacreme
- 200 g Tofu
- 1 EL Olivenöl
- 1½ TL Zitronensaft
- 1 EL Hefeflocken
- 5 EL veganer Joghurt ungesüsst
- Salz
Für den Aprikosensalat
- 8 Aprikosen
- 8 Cherrytomaten
- 800 g Tomaten bunt gemischt
- 1 Handvoll Basilikum frisch
- einige Zweige Thymian
- einige Zweige Oregano
- 2 EL Kürbiskerne
- 2 EL Pinienkerne
- Olivenöl zum Bepinseln der Früchte
- Salz und Pfeffer
Für das Dressing
- 4 EL Olivenöl
- 2 EL Aceto Balsamico Crema*
- Salz und Pfeffer
Für das schnelle Knoblauchbrot
- 1 Ciabatta oder Pagnolbrot
- 2 EL Olivenöl
- 1 Knoblauchzehe
- Salz und Pfeffer
So wirds gemacht
Ricottacreme
- Tofu, Olivenöl, Zitronensaft, Hefeflocken und Sojajoghurt im Standmixer zu einer cremigen Masse verarbeiten
- Mit Salz abschmecken und bis zum Gebrauch kühl stellen
Aprikosensalat
- Aprikosen halbieren, Cherrytomaten halbieren, Tomaten in Scheiben schneiden
- Kürbis- und Pinienkerne in einer Pfanne ohne Öl rösten, bis sie duften
- Aprikosen mit etwas Olivenöl bepinseln und auf dem Grill oder in der Grillpfanne grillieren, bis sie Grillstreifen zeigen
Schnelles Knoblauchbrot
- Brot in Scheiben schneiden
- Knoblauch fein reiben und mit Olivenöl, Salz und Pfeffer verrühren
- Brotscheiben mit der Knoblauchmischung bestreichen
- Brot grillieren oder im Ofen rösten, bis es goldbraun und knusprig ist
Anrichten
- Basilikum, Thymian und Oregano von den Stielen zupfen
- Tomaten gemischt auf den Tellern verteilen
- Aprikosen und Cherrytomaten darauf verteilen
- Ricottacreme darüber verteilen
- Kräuter darüber verteilen
- Geröstete Kerne darüberstreuen
- Mit Olivenöl und Aceto Balsamico Crema beträufeln und mit Salz und Pfeffer würzen
- Aprikosensalat mit dem Knoblauchbrot servieren
Tipp!
- Wenn du grössere Aprikosen und Cherrytomaten hast, viertle sie besser, statt sie zu halbieren. So bleiben die Stücke gut essbar und die Aprikosen haben mehr Schnittfläche für schöne Röstaromen.
- Verwende festere, nicht zu reife Aprikosen. Sehr weiche Früchte zerfallen auf dem Rost, feste behalten ihre Form und karamellisieren trotzdem.
- Grilliere die Aprikosen erst kurz vor dem Servieren. Lauwarm schmecken sie am besten und bilden einen schönen Kontrast zur kühlen Ricottacreme.
- Achte darauf, dass das Knoblauchbrot goldbraun und knusprig, aber nicht verkohlt, vom Rost kommt. Ein bitterer Rand stört das feine Zusammenspiel.
